Bluesky verliert Reichweite. Nach Zahlen der Marktforschungsfirma Similarweb, über die TechCrunch am 11. August berichtete, kam die Mobile-App im Juni 2026 weltweit auf 10,4 Millionen monatlich aktive Nutzer - ein Minus von 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die täglich aktiven Nutzer in der App sanken im Juli um 25,6 Prozent auf rund drei Millionen. Verglichen mit dem Höhepunkt im vierten Quartal 2024, als Bluesky nach der US-Wahl massenhaft X-Aussteiger einsammelte, hat sich die Basis damit annähernd halbiert.

Gleichzeitig zählt die Plattform inzwischen fast 46 Millionen registrierte Konten - viele davon sind schlicht inaktiv. Die Stickiness, also das Verhältnis täglich zu monatlich aktiver Nutzer, lag im Juni bei etwa 29 Prozent. Zum Vergleich: X kommt laut den Similarweb-Daten weiter auf 302 Millionen monatlich aktive Nutzer bei einem Minus von drei Prozent, Threads legte um 21,3 Prozent auf 147 Millionen täglich Aktive zu.

Neuer Kurs unter Toni Schneider

An der Spitze steht seit dem Frühjahr Toni Schneider, zuvor CEO von Automattic und Partner bei True Ventures. Er übernahm im März zunächst interimistisch von Gründerin Jay Graber und wurde im Juli permanent bestätigt. An seiner Seite arbeitet COO Rose Wang, seit 2021 im Unternehmen. Schneider stellt die Zahlen der App bewusst nicht in den Mittelpunkt. Der Fokus liegt darauf, das offene AT-Protokoll (AT Proto) zur Infrastruktur für ein wachsendes Ökosystem an sozialen Diensten zu machen.

We're at the very beginning of this story, with a decade of exciting work ahead to build an open web.
- Toni Schneider, CEO Bluesky, toni.org/blog

Auf dem Protokoll bauen inzwischen weitere Projekte auf: BlackSky, die europäische Alternative Eurosky, das Video-Netzwerk Skylight, das nach Angaben von TechCrunch erste Traktion sammelt, sowie das KI-gestützte Recherche-Tool Attie. Wang sagte auf der TechCrunch Disrupt in San Francisco, große Plattformen wie Facebook und Twitter täten sich mit Kurswechseln schwer, weil sie „im Kern KI-Unternehmen“ geworden seien. Bluesky positioniere sich dagegen als Angebot für Nutzer, die authentische menschliche Kommunikation suchten.

Ausfälle und offene Fragen

Für Nutzer bleibt die App-Erfahrung wechselhaft. Am 16. August verzeichnete die Störungsseite Downdetector.com gegen 11:41 Uhr mehr als 2.000 Meldungen zu Bluesky-Ausfällen, wie AOL berichtete. Ob die Strategie des Protokoll-Fokus die schrumpfende App-Reichweite langfristig kompensieren kann, ist offen. Klar ist: Der Post-Wahl-Zulauf aus dem Herbst 2024 ist verflogen. Bluesky muss den Beweis erst noch antreten, dass ein offener Standard mehr trägt als kurzfristige Massenmigrationen.