Sieben Wochen nach dem Wechsel an der Spitze hat der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic die erste schwere Gewinnwarnung seiner Amtszeit ausgesprochen. Der Münchner Konzern senkte am späten Dienstagabend die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich: Die operative Marge im Automobilgeschäft soll nur noch zwischen ein und drei Prozent liegen, statt der bislang in Aussicht gestellten vier bis sechs Prozent. Auch der freie Mittelzufluss in der Autosparte werde „deutlich“ unter dem Vorjahreswert von 3,2 Milliarden Euro bleiben, teilte BMW mit.

Die Reaktion an der Börse fiel scharf aus. Die BMW-Aktie verlor am Mittwochmorgen im Frankfurter Handel zeitweise mehr als sieben Prozent, im Tagesverlauf rutschten die Papiere nach Daten von Investing.com auf ein Minus von 8,3 Prozent ab. Mercedes-Benz gab um 4,4 Prozent nach, Volkswagen verlor knapp drei Prozent. Analysten der Barclays Bank warnten in einer ersten Reaktion, die Implikationen für Mercedes-Benz dürften „erheblich negativ“ ausfallen, weil beide Hersteller in vergleichbarer Weise vom China- und Nahostgeschäft abhängen.

Wir werden unsere bestehenden Strukturen und Prozesse an die drastische Verschlechterung der Marktbedingungen anpassen. Es ist unsere unternehmerische Verantwortung, die laufenden Maßnahmen deutlich zu verstärken und zu beschleunigen.
- Milan Nedeljkovic, BMW-Vorstandsvorsitzender

Als Hauptursachen nannte der Konzern eine sich „beschleunigende Eintrübung“ des chinesischen Marktes, insbesondere bei Verbrennern, sowie die Folgen des Iran-Kriegs. Die Energiekosten seien stärker gestiegen und die Konsumlaune stärker eingebrochen als zu Jahresbeginn unterstellt. Hinzu kämen Aufwendungen für „Struktur- und Effizienzmaßnahmen“, die das zweite Halbjahr zusätzlich belasten würden. BMW rechnet nun mit einem leichten Rückgang der Auslieferungen statt mit einem stabilen Absatz.

Dritte China-Warnung in zwei Jahren

Für Nedeljkovic, der am 14. Mai die Nachfolge des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse angetreten hatte, ist es die unangenehmste Bewährungsprobe seit Amtsantritt. Die Deutsche Bank wies in einer Analyse darauf hin, dass es bereits die dritte China-bezogene Gewinnwarnung der BMW Group binnen zwei Jahren ist. „Der Ruf als sicherer Hafen im Automobilsektor hat klar gelitten“, schrieben die Analysten laut Handelsblatt; die Kürzung sei „deutlich stärker als erwartet“ ausgefallen. Bis zur Vorlage einer neuen Strategie im September dürfte sich die Aktie schwertun.

Auch international fiel das Urteil hart aus. Russ Mould, Investmentdirektor des britischen Brokers AJ Bell, sagte gegenüber Euronews, der Iran-Krieg habe „die Verbraucherstimmung negativ beeinflusst und die Nachfrage nach BMW-Fahrzeugen gedämpft“; der Konzern reihe sich damit in eine „immer länger werdende Schlange von Herstellern“ ein, die im Stau steckten. Verkäufe in Europa und den USA hätten sich zwar leicht verbessert, reichten aber nicht aus, um den Einbruch in China auszugleichen.

BMW will Details zum Umbau Anfang September auf einer Investorenveranstaltung präsentieren. Dividende und Aktienrückkauf bleiben dem Konzern zufolge zunächst unangetastet, die Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent gilt weiter. Wie tief die Strukturmaßnahmen aber wirklich greifen werden, hängt aus Sicht von Beobachtern davon ab, wie Nedeljkovic den Spagat zwischen Sparzwang in der Verbrenner-Sparte und milliardenschweren Investitionen in die neue Elektroplattform „Neue Klasse“ auflöst.