Am Mittwochnachmittag läuft im niederbayerischen Irlbach-Straßkirchen die Serienproduktion der ersten reinen BMW-Batteriefabrik an. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eröffnet den Standort gemeinsam mit der Werkleitung um 14:30 Uhr an der Freiherr-von-Poschinger-Bray-Straße, wie das Bayerische Wirtschaftsministerium im Veranstaltungskalender ankündigt. Rund eine Milliarde Euro hat der Konzern in das Werk investiert, das ab sofort Hochvoltspeicher für den neuen Elektro-i3 aus München montiert.

Die Fabrik auf einem knapp 100 Hektar großen Industriegrundstück ist Herzstück einer Neuordnung der bayerischen BMW-Produktion. Insgesamt steckt der Konzern rund zwei Milliarden Euro in die Serienfertigung der sogenannten „Neuen Klasse“, wie das Branchenportal ecomento.de berichtet: Je rund eine Milliarde fließen in die Werke München und Dingolfing sowie in das neue Batteriewerk. Nach Abschluss der ersten Ausbaustufe sind in Irlbach-Straßkirchen laut Werksangaben etwa 1.600 Stellen vorgesehen, die Produktionsgebäude umfassen rund 150.000 Quadratmeter.

In Niederbayern werden die zylindrischen Rundzellen der sechsten Generation nicht selbst hergestellt, sondern angeliefert und zu kompletten Hochvoltbatterien montiert, geprüft und für den Einbau vorbereitet. Diese Gen6-Zellen bringen laut BMW gegenüber der fünften Generation eine um mehr als 20 Prozent höhere Energiedichte und sind in ein 800-Volt-System eingebettet, das die Ladegeschwindigkeit um bis zu 30 Prozent erhöht. Die Vorserienfertigung lief seit Anfang März, im Vollausbau sollen bis zu 600.000 Speicher pro Jahr vom Band gehen.

Wir meistern die Transformation - von der Entwicklung über die Industrialisierung bis zur hochmodernen Produktion in München und Dingolfing.
- Raymond Wittmann, BMW-Produktionsvorstand, zitiert bei ecomento.de

Der Serienstart in Irlbach-Straßkirchen ist der zweite große Produktionsmeilenstein der Neuen Klasse binnen weniger Wochen: Im Münchner Stammwerk, das 1975 den ersten 3er gebaut hat, läuft der Elektro-i3 seit Anfang August vom Band. Ab 2027 wird dort ausschließlich elektrisch gefertigt. Die Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Varianten des 3ers wandern parallel ins knapp 100 Kilometer entfernte Werk Dingolfing. Zusammen produzieren die drei bayerischen Fahrzeugwerke derzeit rund 3.300 Autos pro Tag.

Expansion in Zeiten des Sparkurses

Mit dem Produktionsstart setzt BMW ein industriepolitisches Signal, das gegen den Branchentrend läuft. Während Volkswagen über die Schließung von Standorten verhandelt und der neue BMW-Chef Milan Nedeljković nach schwächelnden China-Zahlen laut Handelsblatt bis Ende 2027 rund 8.000 Verwaltungsstellen abbauen will, baut der Münchner Konzern seine Zellen-, Montage- und Fahrzeugkapazitäten in Deutschland aus. Rund 760 Zulieferer beliefern die bayerischen Werke, nach Angaben von BMW sitzen mehr als 70 Prozent davon in Europa und über 30 Prozent in Deutschland.

Für die Region Niederbayern bedeutet der Serienstart ein Konjunkturversprechen: Allein die Ausbildungsabteilung des neuen Werks hat 2024 fünfzig Lehrstellen geschaffen, in den kommenden Jahren sollen die Werke in Dingolfing und Regensburg zusätzlich mit Gen6-Speichern beliefert werden. Aiwanger sprach im Vorfeld von einem „starken Zeichen für die Zukunft der Elektromobilität in Bayern“. Ob der Münchner Konzern mit dem Mehraufwand für die neue Plattform auch die zuletzt gefallenen Margen stabilisieren kann, dürfte sich erst 2027 im ersten vollen Produktionsjahr zeigen.