Eine Superzelle mit Orkanböen und großem Hagel hat am Freitagvormittag die Bodenseeregion verwüstet. Nach Angaben der Polizei Konstanz wurde der Singener Ortsteil Bohlingen komplett abgesperrt, nachdem rund 100 Häuser durch abgedeckte Dächer, umstürzende Bäume und Hagelschlag beschädigt worden waren. Verletzte gab es nach bisherigem Kenntnisstand nicht.
Der Deutsche Wetterdienst hatte am Vormittag für das nördliche Bodenseeufer die höchste Warnstufe Violett ausgerufen und vor extremen Orkanböen bis 140 Kilometer pro Stunde sowie Hagelkörnern von bis zu fünf Zentimetern Durchmesser gewarnt. Wie t-online berichtet, zogen die schwersten Zellen mit dem Tief RAPHAELA vom Landkreis Konstanz über den See in Richtung Oberschwaben und trafen dabei besonders die westlichen Gemeinden Sipplingen, Owingen, Frickingen und Salem.
Bei der Integrierten Leitstelle Bodensee-Oberschwaben gingen die ersten Notrufe gegen 10.30 Uhr ein. Nach Angaben des Kreisfeuerwehrverbands zählte die Leitstelle bis 17.00 Uhr mindestens 121 Einsatzstellen im gesamten Bodenseekreis, davon 72 allein in Überlingen und 74 in Radolfzell. Rund 100 Feuerwehrleute aus allen Abteilungen der Überlinger Wehr waren im Stadtgebiet im Einsatz, um umgestürzte Bäume von Straßen und Bahngleisen zu räumen und vollgelaufene Keller auszupumpen.
Bis alle Schäden verifiziert und beziffert werden können, wird es noch Tage dauern.
Am Samstag beruhigt sich die Lage
Auch außerhalb des Bodenseekreises hinterließ das Tief RAPHAELA sichtbare Spuren. Nördlich von Stuttgart stoppte ein umgestürzter Baum bei Oppenweiler den regionalen Bahnverkehr, in Bad Urach und Sonnenbühl zerschlug Hagel Fensterscheiben, und in Lichtenstein, Unterhausen und St. Johann standen Straßen unter Wasser. In Bayern hatte der DWD am Nachmittag vor Superzellen mit Tornadogefahr im Südosten gewarnt, dort hielten sich einzelne Gewitter bis in die zweite Nachthälfte.
Für den Samstag rechnet der DWD nach eigenen Angaben mit einer deutlichen Beruhigung. Der Osten und Süden startet häufig sonnig in den Tag, nur vereinzelt sind Schauer möglich. Aktuelle Warnungen veröffentlicht der Wetterdienst laufend über sein Portal wettergefahren.de und die Warn-App Nina.