Am Ende einer bis in den späten Abend gezogenen Sondersitzung der Provinciale Staten hat die Provinz Noord-Brabant entschieden, mit den fünf betroffenen Geflügelhaltern doch noch einmal an einen Tisch zu gehen. Ein entsprechender Antrag fand am Freitagabend eine Mehrheit, wie Omroep Brabant aus der Debatte im Provinciehuis in 's-Hertogenbosch berichtet. Der Widerruf der Naturschutzgenehmigungen bleibt formal auf dem Weg, aber die Betriebe bekommen eine „letzte Chance auf eine Lösung“.

Wie wir am Donnerstagabend berichteten, hatten rund 2.500 Landwirte aus dem ganzen Land mit Treckern gegen den Entzug demonstriert. Zuvor war es im Stau vor der A59-Abfahrt bei Heesch zu einem tödlichen Auffahrunfall mit vier Autos gekommen. Am Freitag identifizierte die Polizei die Toten als ein Ehepaar aus dem nahen Oss - einen 71-jährigen Mann und eine 72-jährige Frau. Sechs weitere Menschen wurden verletzt. Traktoren waren nach Polizeiangaben nicht in die Kollision selbst verwickelt, der Rückstau geht aber auf den Korso zum Provinciehuis zurück.

Streit um die Autobahn

Nach dem Unfall verlangte Innenminister Pieter Heerma, der in der Regierung Jetten für das Demonstrationsrecht zuständig ist, die Trecker sofort von den Autobahnen zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft Oost-Brabant stellte gegenüber niederländischen Medien klar: „Een tractor op de snelweg mag nooit en is strafbaar.“ Man werde die Fahrten juristisch aufarbeiten. Ministerpräsident Rob Jetten hatte bereits am Morgen die Duldung durch die Polizei kritisiert - ein Sprecher hatte am Donnerstag erklärt, gegen langsam fahrende Trecker werde nicht eingeschritten.

Auch die Veranstalter zogen die Reißleine. Mark van den Oever von der Farmers Defence Force bat die Demonstranten vom Podium aus, die Rückreise über Nebenstrecken anzutreten, wie NOS und Omroep Brabant berichten. Agractie-Vorsitzender Erik Luiten legte auf der Kundgebung eine Schweigeminute für die Opfer ein und verlangte einen „respectvol“ verlaufenden Protest. Trotzdem rollten am Nachmittag noch rund 50 Trecker über die A2 in Richtung Utrecht, die Regionalproteste in Zeeland lösten sich am späten Nachmittag auf.

Een tractor op de snelweg mag nooit en is strafbaar.
- Staatsanwaltschaft Oost-Brabant, gegenüber NOS

Provinz entschuldigt sich

Vor der Abstimmung hatte die zuständige Deputierte Saskia Boelema (CDA) sich bei den Betrieben entschuldigt: Die Provinz habe die Betroffenen zu spät eingebunden und den Prozess schlecht geführt. Grundlage des Genehmigungsentzugs ist ein Urteil aus dem April 2025, in dem die Umweltorganisation Mobilisation for the Environment (MOB) durchgesetzt hatte, dass die Stickstoffbelastung angrenzender Natura-2000-Gebiete zu hoch ist. Landwirtschaftsminister Femke van Essen (D66) verlangte am Mittwoch, vor einem Entzug müssten Innovation, Extensivierung, Umstellung, Umsiedlung und als „laatste redmiddel“ Aufgabe geprüft werden.

Der Bauernverband LTO nannte den Kurs der Provinz einen „Vertrauensbruch mit der Landwirtschaft“; die Farmers Defence Force ließ ihre Aktion mit gelben Judensternen unkommentiert, für die Jetten sie am Donnerstag als „widerwärtig“ bezeichnet hatte. Wann Brabant den Betrieben ein neues Angebot vorlegt, ist offen. Klar ist nur: Die nächste Runde dieses Streits läuft ohne die Bilder vom Donnerstag - aber mit zwei Toten im Rücken, deren Beerdigung in Oss noch aussteht.