Die walisische Sängerin Bonnie Tyler ist tot. Wie ihre Familie am Donnerstagmorgen in einer offiziellen Mitteilung bekanntgab, starb die Interpretin von „Total Eclipse of the Heart“ bereits am Mittwochabend im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Faro an der portugiesischen Algarve. Todesursache seien Komplikationen der Erkrankung gewesen, wegen der sie seit dem Frühjahr in Portugal behandelt wurde, wie ZDFheute und t-online übereinstimmend berichten.

Anfang Mai war Tyler in Faro zusammengebrochen und musste am Darm notoperiert werden. Ihr Team versetzte sie danach in ein künstliches Koma, aus dem sie Mitte Juni erwachte. In einem damaligen Statement hieß es, ihr Zustand bleibe ernst, sie liege weiter auf der Intensivstation. Die laufende Jubiläumstour ruhte seither vollständig. Für Deutschland waren Auftritte in Wiesmoor sowie am 29. Oktober in der Kulturraffinerie K714 in Monheim am Rhein geplant, die nun endgültig abgesagt werden, wie die t-online-Regionalredaktion Düsseldorf unter Berufung auf die Konzertagentur berichtet.

Bonnies Familie und ihr Team sind untröstlich, mitteilen zu müssen, dass Bonnie vergangene Nacht unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal an den Folgen der Krankheit verstorben ist, wegen der sie behandelt wurde.
- Familie und Management von Bonnie Tyler, offizielle Mitteilung vom 9. Juli 2026

Von Skewen zum Welterfolg

Geboren wurde Bonnie Tyler am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins in Skewen, einem Bergarbeiterort in Wales. Ihre erste größere Chartsingle „Lost in France“ landete 1976 in den britischen Top Ten, ein Jahr später folgte „It's a Heartache“, das ihr die erste Grammy-Nominierung einbrachte. Zum Weltstar wurde sie 1983 mit „Total Eclipse of the Heart“, geschrieben und produziert von Jim Steinman. Der Song stand in Großbritannien und den USA an der Chart-Spitze; nach Angaben der NZZ passierte er im Sommer 2026 die Marke von einer Milliarde Spotify-Streams und 1,3 Milliarden Aufrufen auf YouTube. Zum Soundtrack von „Footloose“ steuerte sie 1984 „Holding Out for a Hero“ bei.

In Deutschland verband sich Tylers Karriere ab 1991 immer wieder mit Dieter Bohlen, der ihr Alben produzierte und die Sängerin auf den europäischen Festlandcharts präsent hielt. 2013 vertrat sie das Vereinigte Königreich beim Eurovision Song Contest in Malmö mit „Believe in Me“ und landete auf Platz 19. 2022 wurde sie zum Member des Order of the British Empire ernannt. Insgesamt verkaufte Tyler in ihrer sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere über 100 Millionen Tonträger, wurde dreimal für den Grammy nominiert und legte 2021 mit „The Best Is Yet to Come“ ihr achtzehntes Studioalbum vor.

Die Nachricht wurde in der Musikwelt mit Trauer aufgenommen. Rod Stewart, Bryan Adams und Kevin Bacon würdigten Tyler auf ihren Social-Media-Kanälen, wie der Boston Globe zusammenfasst. Auch die walisisch-britische Schauspielerin Catherine Zeta-Jones meldete sich zu Wort; ihr Cousin Robert Sullivan, ehemaliger Judoka und Olympiateilnehmer, war seit 1973 mit Tyler verheiratet und blieb ihr einziger Ehepartner. Das Paar hatte keine Kinder. In ihrem Nachruf beschrieb die taz Tylers Stimme, die nach einer Kehlkopfoperation Ende der Siebziger ihre unverwechselbare Rauheit gewann, als „nie perfekt timbriert, hier rau und verletzlich zugleich“.