Das Osloer Bezirksgericht hat Marius Borg Høiby, den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, am Montag zu vier Jahren Haft verurteilt. Von 40 Anklagepunkten sah das Gericht 34 als erwiesen an, wie unter anderem die Legal Tribune Online und t-online berichten. Zentraler Vorwurf: zwei Vergewaltigungen schlafender Frauen, einer davon mit Videoaufzeichnung. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate gefordert, die Verteidigung anderthalb Jahre. Borg Høiby, der seit dem 2. Februar in Untersuchungshaft sitzt, war bei der Urteilsverkündung nicht persönlich im Saal: Er folgte der Sitzung per Videoschalte aus dem Gefängnis Ila.

Bei zwei der vier Vergewaltigungsvorwürfe sprach das Gericht den 29-Jährigen frei, darunter einen Fall während eines Surfurlaubs auf den Lofoten. Verurteilt wurde er zusätzlich wegen Körperverletzung, Vandalismus, Verstößen gegen Kontaktverbote, Verkehrsdelikten, dem Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana, psychischer Misshandlung einer Ex-Freundin sowie heimlicher Videoaufnahmen. Hinzu kommt eine Schadensersatzzahlung von rund 640.000 norwegischen Kronen, etwa 58.000 Euro, an die vier Geschädigten. Der vorsitzende Richter schilderte die Beweislage in einem der Fälle, wie ZDFheute zitiert, nüchtern: „Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.“

Es geht ihm natürlich sehr schlecht - sowohl wegen des Verfahrens als auch wegen der Situation seiner Mutter.
- Petar Sekulic, Verteidiger von Marius Borg Høiby, gegenüber ZDFheute

Verteidigung kündigt Berufung an

Borg Høiby akzeptiert das Urteil nicht. Sein Anwalt Petar Sekulic erklärte direkt im Anschluss, sein Mandant werde Berufung einlegen und beantragte zugleich die Entlassung aus der Untersuchungshaft. Das Gericht lehnte den Haftaufhebungsantrag laut t-online mit Verweis auf vorherige Verstöße gegen Kontaktverbote ab. Sekulic begründete den Zustand seines Mandanten gegenüber ZDFheute auch mit dem öffentlichen Druck auf die Familie. Kronprinzessin Mette-Marit, die ihren Sohn aus einer früheren Beziehung in das norwegische Königshaus mitgebracht hatte, leidet nach Angaben des Schlosses an einer chronischen Lungenerkrankung.

Königshaus schweigt

Das norwegische Königshaus äußerte sich auch nach der Urteilsverkündung nicht öffentlich. Borg Høiby trägt keinen Adelstitel und gehört formal nicht zur Königsfamilie. Aufgewachsen ist er ab dem Schulalter dennoch mit seinen Halbgeschwistern Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus auf dem Anwesen Skaugum bei Kronprinz Haakon, seinem Stiefvater. Das Verfahren in Oslo hatte über Monate für Schlagzeilen in skandinavischen und internationalen Medien gesorgt, seit die Polizei den heute 29-Jährigen erstmals im August 2024 unter dem Vorwurf häuslicher Gewalt festgenommen hatte. Mit dem Urteil vom Montag endet die erste Instanz - rechtskräftig ist es noch nicht. Im Berufungsverfahren wird das Borgarting Lagmannsrett, das Berufungsgericht für die Hauptstadtregion, neu verhandeln.