Das Oberlandesgericht München hat die Berufung von Boris Becker im Streit um Kindesunterhalt zurückgewiesen. Damit bleibt ein Beschluss des Amtsgerichts München von Anfang Januar in Kraft, der Beckers früherer Ehefrau Lilly die Zwangsvollstreckung wegen ausstehender Unterhaltszahlungen für den gemeinsamen Sohn Amadeus (16) ermöglicht. Die Entscheidung wurde Anfang Juni durch Lillys Münchner Anwalt Michael Scheele öffentlich gemacht und unter anderem von Promiflash, Bunte und der Berliner Zeitung berichtet. Becker selbst hat sich bisher nicht zu der Niederlage geäußert.

Grundlage der Forderung ist ein Urteil eines Londoner Gerichts aus dem Jahr 2018. Damals war nach der Trennung des Paares die Höhe des Kindesunterhalts festgesetzt worden. Lilly Becker beziffert die seither aufgelaufenen Rückstände inzwischen mit rund 427.000 Euro. Bereits im Vorjahr hatte ihr Anwalt in einer Erklärung gegenüber t-online und Berliner Zeitung den Vorwurf erhoben, Becker habe sich seiner Verantwortung dauerhaft entzogen.

Boris Becker hat hingegen seinen Sohn vernachlässigt, indem er einen geschuldeten Kindesunterhalt in mittlerweile erheblicher sechsstelliger Höhe, der vom Gericht in London im Jahre 2018 festgesetzt wurde, nicht bezahlt hat.
- Michael Scheele, Anwalt von Lilly Becker, gegenüber t-online

Pfändung möglich, Einwendungen separat

Nach dem Beschluss des Oberlandesgerichts ist die Vollstreckung zunächst zulässig; etwaige inhaltliche Einwendungen muss Becker in einem gesonderten Verfahren geltend machen. Lillys Anwälte haben nach Berichten von Bunte und Promiflash bereits erste Schritte eingeleitet. Pfändbar sind dabei Konten, Honorareinnahmen und sonstiges Vermögen des 58-jährigen früheren Wimbledonsiegers. Da Becker mit seiner zweiten Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro überwiegend in Italien lebt, läuft parallel ein Vollstreckungsverfahren auf der Apenninhalbinsel. Trifft ein Gerichtsvollzieher den ehemaligen Tennisprofi dort persönlich an, könnte er zur eidesstattlichen Versicherung über seine Vermögensverhältnisse aufgefordert werden, wie Scheele gegenüber Promiflash erläuterte.

Vom Londoner Verfahren zur Münchner Vollstreckung

Boris und Lilly Becker, geborene Sharlely Kerssenberg, waren von 2009 bis 2018 verheiratet. Amadeus lebt seit der Trennung bei seiner Mutter in Deutschland. Becker hatte 2022 in Großbritannien rund acht Monate Haft wegen Verstößen gegen das Insolvenzrecht verbüßt; nach seiner Abschiebung gilt für ihn weiterhin ein Einreiseverbot in das Vereinigte Königreich. 2024 heiratete er in Portofino seine heutige Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro, im vergangenen Jahr kam die gemeinsame Tochter Zoë zur Welt.

Während der zivilrechtliche Streit in die Vollstreckungsphase tritt, ist Becker im Tennis-Sommer als TV-Experte präsent. Für TNT Sports kommentiert er die Grand-Slam-Turniere. Alexander Zverevs French-Open-Sieg am Sonntag, den ersten deutschen Herrentitel bei einem Major seit Beckers eigenem Australian-Open-Triumph 1996, lobte er gegenüber Eurosport ausdrücklich. Auf die Frage nach dem Münchner Beschluss reagierte er bislang nicht.