Brasilien hat sein Auftaktspiel bei der Weltmeisterschaft 2026 nicht gewonnen. Der fünfmalige Weltmeister kam am späten Samstagabend Ortszeit im MetLife Stadium von East Rutherford über ein 1:1 gegen Marokko nicht hinaus. Vor 80.663 Zuschauern brachte Ismael Saibari die Atlas-Löwen in der 21. Minute in Führung, Vinícius Júnior glich elf Minuten später aus.

Es war kein Auftritt, der zu den Ansprüchen des Rekordweltmeisters passte. Marokko bestimmte die Anfangsphase, ließ den Ball laufen und kam über Brahim Díaz zum Führungstor: Der Real-Madrid-Profi steckte am Strafraumrand klug auf Saibari durch, der PSV-Eindhoven-Mittelfeldspieler schloss präzise mit dem rechten Fuß ab. Erst der Treffer von Vinícius nach Zuspiel von Bruno Guimarães brachte Brasilien zurück ins Spiel.

Das WM-Debüt von Carlo Ancelotti als brasilianischer Nationaltrainer hatte sich der Verband CBF anders vorgestellt. Der Italiener war im Vorjahr verpflichtet worden, um die seit 2002 anhaltende Titel-Durststrecke der Seleção zu beenden. Vor der Partie hatte Ancelotti laut Sportschau gesagt: „Marokko ist der Hauptkonkurrent. Sie haben Erfahrung, waren bei der letzten WM sehr stark.“ Die Standortbestimmung fiel weniger schmeichelhaft aus, als sich der 66-Jährige erhofft haben dürfte.

Marokko ist der Hauptkonkurrent. Sie haben Erfahrung, waren bei der letzten WM sehr stark.
- Carlo Ancelotti, vor dem Spiel

Alisson rettet in der Nachspielzeit

Auch nach der Pause blieb Marokko die spielbestimmende Mannschaft, ohne in zwingende Großchancen umzusetzen, was die Statistik andeutete. Die zweite Halbzeit zerfaserte zu einem Foulspiel-Geplänkel, das selten Tempo aufnahm. In der Nachspielzeit klärte Brasiliens Schlussmann Alisson mit einer Doppelparade gegen einen marokkanischen Angriff den Rückstand. Der Schiedsrichter Slavko Vinčić aus Slowenien pfiff kurz danach ab.

Marokkos neuer Coach Mohamed Ouahbi, der im März 2026 die Nachfolge von Walid Regragui angetreten hatte, lässt sein Team aus einem 3-2-4-1-System angreifen. Im Vorfeld hatte er erklärt, gegenüber dem Verband: „Wir vertrauen unseren Spielern, den Ideen, die wir umgesetzt haben, sowie den Prinzipien und Werten, die wir in dieser Mannschaft verankern wollten.“ Die Atlas-Löwen mussten gegen Brasilien auf Linksaußen Abde Ezzalzouli und Innenverteidiger Nayef Aguerd verzichten - zwei Stützen aus dem Halbfinal-Aufgebot von Katar.

Gruppe C eng wie selten

In der Gruppe C teilen sich nun alle vier Teams die Ausgangslage. Drei Stunden vor dem Anpfiff im MetLife Stadium hatten sich auch Haiti und Schottland in Boston zu einem Remis getrennt. Brasilien spielt als Nächstes am 19. Juni in San Diego gegen den Sieger der Begegnung, Marokko trifft am 20. Juni in Los Angeles auf den Verlierer. Vier Punkte aus den verbleibenden zwei Spielen dürften für beide Mannschaften zur Pflicht werden, um das Achtelfinale aus eigener Kraft zu erreichen.

Für Ancelotti ist die WM-Premiere damit gleich eine Mahnung. Schon in der Vorbereitung hatte Brasilien gegen Tunesien nur 1:1 gespielt, das Vertrauen der Tifosi am Zuckerhut beruht inzwischen vor allem auf der Erfahrung des Trainers, weniger auf der Form der Mannschaft. Vinícius rettete einen Punkt; den Anspruch auf den Titel wird die Seleção mit Auftritten wie diesem nicht untermauern.