In der Nacht zum Sonntag startet Brasilien unter dem neuen Bundestrainer Carlo Ancelotti in die Weltmeisterschaft - und das Auftaktspiel hat es in sich. Anstoß im MetLife Stadium von East Rutherford in New Jersey ist um 0 Uhr deutscher Zeit, das ZDF und MagentaTV übertragen die Partie der Gruppe C. Gegner ist Marokko, amtierender Afrikameister und WM-Halbfinalist von 2022 - eine der härtesten Auslosungen, die der Rekordweltmeister im ersten Spiel ziehen konnte.

Ancelotti ist innerhalb von drei Jahren der vierte Cheftrainer der Seleção. Der 65-jährige Italiener kam im Sommer 2025 aus Madrid und plant nach Berichten der Sportschau ein 4-3-3 mit Vinicius Junior, Raphinha und Matheus Cunha in der Offensive. Die voraussichtliche Aufstellung führt Torwart Alisson Becker hinter einer Viererkette aus Danilo, Marquinhos, Gabriel Magalhães und Carlos Augusto an, davor sollen Bruno Guimarães und Casemiro die Doppelsechs bilden. Alisson lobte den Trainer gegenüber dem Sportportal laola1: „Seit Ancelotti da ist, hat sich alles verbessert. Er hat eine starke Präsenz.“

Auf Neymar muss Ancelotti vorerst verzichten. Der 34-Jährige, nach langer Kreuzbandverletzung und Rückkehr zu Santos überraschend für den 26er-Kader nominiert, zog sich in der Vorbereitung eine Wadenverletzung zweiten Grades zu. Ein Einsatz frühestens im zweiten Gruppenspiel gegen Haiti am 20. Juni in Atlanta gilt als möglich. Ebenfalls verletzt fehlen Real-Madrid-Stürmer Rodrygo, Chelsea-Talent Estêvão (19), Innenverteidiger Éder Militão und Flamengo-Profi Wesley.

Er arbeitet hart daran, so schnell wie möglich fit zu werden. Wir hoffen, dass er nächste Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren kann.
- Carlo Ancelotti über Neymar, ZDFheute

Marokko ohne Trainerkontinuität, aber mit Geheimfavoritenstatus

Marokko reist als Spitzenreiter der eigenen Branche an. Die Atlas-Löwen gewannen ihre acht WM-Qualifikationsspiele samt und sonders, holten im Frühjahr den Afrika-Cup-Titel und sind seit dem Halbfinaleinzug in Katar 2022 fester Bestandteil der erweiterten Weltspitze. Die FIFA führt sie aktuell auf Rang sieben, zwei Plätze hinter Brasilien. In den vergangenen fünf Länderspielen blieb das Team ungeschlagen und erzielte 13 Treffer bei nur zwei Gegentoren.

Cheftrainer Mohamed Ouahbi übernahm Anfang März 2026 von Walid Regragui, dem Architekten des Katar-Wunders. Der 49-Jährige war zuvor U20-Nationaltrainer und hatte 2025 die Junioren-WM gewonnen - im Männerbereich bringt er kaum Erfahrung mit. Den defensiven Block aus PSG-Captain Achraf Hakimi, Manchester-United-Verteidiger Noussair Mazraoui und Torwart Yassine Bounou hat er aus der Regragui-Ära übernommen. Im Mittelfeld setzt der Bundestrainer auf Sofyan Amrabat und Azzedine Ounahi, in der Offensive auf Real-Profi Brahim Díaz und den 21-jährigen Stuttgarter Bilal El Khannouss. Mazraouis Einsatz steht wegen einer Schulterblessur auf der Kippe, Innenverteidiger Nayef Aguerd fällt mit Leistenproblemen ohnehin aus.

Captain Hakimi gab sich auf der Marokko-Pressekonferenz am Freitag betont selbstbewusst. Bei einem Turnier wie der WM gebe es keine Favoriten, sagte er - die Chancen stünden fünfzig zu fünfzig, am Ende würden Details den Ausschlag geben. Torwart Bounou flankierte die Ansage. Marokko, sagte er nach dem Afrika-Cup-Triumph der ARD-Sportschau, werde im Weltfußball „seinen Abdruck hinterlassen“.

Gruppe C: Schottland und Haiti warten im Anschluss

Die weiteren Aufgaben in Gruppe C wirken auf dem Papier handhabbar. Brasilien trifft am 20. Juni in Atlanta auf Haiti, das nach 1974 erstmals wieder bei einer WM dabei ist, und schließt die Vorrunde am 26. Juni in Foxborough gegen Schottland ab. Für Ouahbis Marokko geht es nach dem Brasilien-Auftakt am 19. Juni in Las Vegas gegen Schottland weiter, am 25. Juni folgt in Toronto die Partie gegen Haiti. Wer den Gruppensieg holt, vermeidet im Achtelfinale voraussichtlich das Duell mit Tabellenführer-Anwärter Niederlande - für beide Teams ist die Vorgabe an diesem Abend in New Jersey damit klar.