Brasiliens Cheftrainer Carlo Ancelotti muss vor dem Achtelfinale gegen Norwegen am Sonntagabend in East Rutherford auf seinen Spielmacher Lucas Paquetá verzichten. Der 28-Jährige zog sich beim 2:1 gegen Japan in Houston eine Muskelverletzung am hinteren linken Oberschenkel zu, wie der brasilianische Verband CBF in einem am Dienstag verbreiteten Statement bestätigte. Ein Einsatz am Sonntag (22:00 Uhr MESZ) im NY/NJ Stadium sei „nahezu ausgeschlossen“, berichtet t-online.

Ancelotti selbst gab sich nach dem späten Sieg gegen Japan trotzdem entspannt. „Ja, ja, wir sind stark genug. Wir schaffen das. Wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, zitierte ihn Sport1 nach der Partie. Man habe leiden müssen, „aber das gehört dazu“. Gabriel Martinelli hatte das entscheidende Tor erst in der fünften Minute der Nachspielzeit erzielt, nachdem Kaishu Sano Japan in der 29. Minute in Führung gebracht und Casemiro nach der Pause per Kopf ausgeglichen hatte.

Der Ausfall Paquetás trifft die Selecao empfindlich. Bereits seit dem zweiten Vorrundenspiel fehlt Flügelstürmer Raphinha mit einem Oberschenkelproblem, wie t-online schreibt. Neymar rückte gegen Japan zwar wieder in den Kader, blieb aber die gesamte Partie auf der Bank. Ancelotti erklärte gegenüber der Sportschau die Rotationslogik: „Ich sprach mit ihm in der Halbzeit. Dann kam der Ausgleich, sonst wäre er in der 60. oder 65. Minute gekommen.“ Paquetás Platz im offensiven Mittelfeld dürfte am Sonntag der 20-jährige Endrick übernehmen, der bereits in Houston zur Pause eingewechselt wurde.

Haaland macht sich klein

Auf der anderen Seite steht Norwegens Torjäger Erling Haaland, der die Skandinavier mit seinem fünften Turniertor in der 86. Minute zum 2:1 gegen die Elfenbeinküste schoss und damit erstmals seit 1998 in ein WM-Achtelfinale führte. Trotz seiner Form gibt sich der 25-Jährige zurückhaltend. Auf die Frage nach den Chancen gegen Brasilien antwortete Haaland laut Eurosport: „sehr gering. Brasilien ist der große Favorit.“ Trainer Ståle Solbakken widersprach seinem Kapitän im selben Bericht: Haaland sei „der beste Stürmer der Welt“. Auch Mittelfeldspieler Antonio Nusa gab sich kämpferisch, man sei „aus gutem Grund hier“, und alles könne passieren.

Sehr gering. Brasilien ist der große Favorit.
- Erling Haaland, gegenüber Eurosport

Vier Duelle, kein Sieg

Historisch verlässlich ist die Favoritenrolle nicht: Norwegen hat gegen Brasilien in bislang vier Länderspielen noch nie verloren. Zuletzt siegten die Skandinavier bei der WM 1998 in Frankreich in der Vorrundengruppe mit 2:1 gegen den damaligen Titelverteidiger. Auch die aktuelle Turnierauflage hat den Rekordweltmeister bislang nicht restlos überzeugen können. Nach dem Fehlstart mit einem 1:1 gegen Marokko fand die Selecao gegen Schottland (3:0) und Japan (2:1) zwar den Weg ins Achtelfinale, blieb aber gemessen an den eigenen Erwartungen unter dem Niveau, das ein sechster Stern verlangt.

Ancelotti, der Brasilien seit gut einem Jahr betreut und in East Rutherford seine erste WM-K.o.-Runde als Nationaltrainer bestreitet, weiß um die Bringschuld. „Wir müssen jedes Spiel wie ein Finale angehen“, forderte Kapitän Vinicius Junior nach der Partie in Houston, wie Ran zitiert. Der letzte brasilianische Titel liegt 24 Jahre zurück - und mit Paquetá auf der Trage und Haaland im Anlauf beginnt am Sonntag die Phase, in der Ancelottis erste WM-Bilanz geschrieben wird.