Am Sonntagabend um 22:00 Uhr deutscher Zeit läuft im MetLife Stadium in East Rutherford das dritte Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2026 an - und keines dieser Spiele hat für eine der beiden Nationen so viel Gewicht wie dieses. Brasilien, das die Vorrunde in Gruppe C ungeschlagen abschloss und im Sechzehntelfinale mit 2:1 gegen Japan bestand, trifft auf ein Norwegen, das erstmals seit dem Frankreich-Turnier 1998 wieder in einem WM-K.o.-Spiel steht. Auf der einen Seite Carlo Ancelotti, der die Selecao im Sommer übernommen hat und Vinícius Júnior nach vier Vorrundentoren als Fixpunkt seiner Offensive setzt. Auf der anderen Ståle Solbakken, dessen Elf um Erling Haaland und Kapitän Martin Ødegaard mit dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste den ersten K.o.-Sieg der norwegischen WM-Geschichte holte.
Der Weg der Skandinavier war lang. Solbakken, der selbst 1998 im norwegischen WM-Kader stand, hat das Team seit 2020 aufgebaut. Antonio Nusas Traumtor in der 39. Minute und Haalands später Treffer in der 86. Minute gegen die Elfenbeinküste bescherten Norwegen nicht nur das Achtelfinale, sondern auch einen historischen Meilenstein: den ersten Sieg des Landes in einer WM-K.o.-Runde überhaupt. Haaland traf im dritten Spiel in Serie, steht bei fünf Turniertoren und bei 60 Länderspieltreffern in 53 Einsätzen. „Ich glaube, das wird Norwegen für immer verändern. Ich spüre eine Einheit, es ist bewegend und großartig zu sehen, wie viel das für ganz Norwegen bedeutet“, sagte er nach dem Schlusspfiff bei Sportschau und Eurosport.
Ich glaube, das wird Norwegen für immer verändern.
Für Brasilien fällt die Vorbereitung nüchterner aus. Nach dem holprigen Achtelfinal-Vorlauf gegen Japan meldet Ancelotti gleich mehrere Ausfälle. Lucas Paquetá droht das Turnier verletzungsbedingt zu verpassen, Winger Raphinha hat nach seinem Oberschenkelproblem zwar wieder auf dem Platz trainiert, ist für das Sonntagsspiel aber laut Eurosport keine Option. Der Einsatz von Casemiro, der gegen Japan früh ausgewechselt worden war, ist offen. Ancelotti dürfte das gewohnte 4-3-3 wählen, in dem Vinícius und der Newcomer Estêvão die Außenbahnen besetzen und Rodrygo als zentrale Spitze angesetzt wird. „Wir machen unsere Sache gut. Wir zeigen gute Leistungen - aber man darf sich nie zufrieden geben, denn wir wollen noch besser spielen“, sagte Ancelotti nach dem Japan-Sieg gegenüber FIFA-Medien.
Ein Duell mit norwegischer Bilanz
Der Rekordweltmeister hat gegen Norwegen historisch keine gute Bilanz vorzuweisen. In vier bisherigen Duellen ist die Selecao noch immer ohne Sieg, wie Eurosport in seiner Vorbericht-Analyse festhält. Die letzte Begegnung endete 1998 in Marseille mit einem 2:1 für die Skandinavier - damals in der Vorrunde, mit Tore Andre Flo und Kjetil Rekdal auf der Anzeigetafel. Solbakken, der bei jener WM als Mittelfeldspieler auf dem Platz stand, kennt die Statistik. „Brasilien ist natürlich der Favorit, aber wir sind zuversichtlich, dass wir ihnen Paroli bieten können. Wir spielen dieses Spiel nicht zum Spaß - wir spielen, um zu gewinnen und das Viertelfinale zu erreichen“, sagte er im FIFA-Vorbericht. Auf der Verletztenliste steht bei ihm Julian Ryerson, dessen Einsatz laut Verbandsangaben unter 50 Prozent liegt.
Sportlich ist Brasilien Favorit - die Torgefahr um Vinícius, die neue Ancelotti-Struktur und der breitere Kader sprechen für die Selecao. Norwegen aber hat mit Haaland, Ødegaard und Alexander Sørloth eine Achse, die in kein Turnier der letzten Jahre passte, weil das Team nie eines erreichte. Solbakken wird sein 4-3-3 spiegelbildlich zu Ancelottis Aufbau anlegen und darauf setzen, in Ballbesitzphasen der Brasilianer sofort umzuschalten. Sollte Norwegen das Viertelfinale erreichen, wäre der emotionale Effekt kaum zu überschätzen - die Rückreise nach Oslo wäre eine, die 28 Jahre auf sich warten ließ.