Vor dem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit ist die Lage im Bremer Viertel am späten Freitagabend eskaliert. Rund um die Sielwallkreuzung griffen Teilnehmer aus einer Menschenmenge Polizisten mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik an. Ein Beamter wurde dabei verletzt und medizinisch versorgt, vier Personen nahmen die Einsatzkräfte an der Kreuzung fest, teilte die Polizei dem ARD-Regionalmagazin buten un binnen am Samstagmorgen mit. Bremen richtet seit Freitag die zentralen Feierlichkeiten mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzler Friedrich Merz aus.
Die Ausschreitungen folgten auf eine Spätdemonstration der Basisgruppe Antifaschismus Bremen unter dem Motto „Kein Frieden mit der Nation!“. Angemeldet waren laut Polizei 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, tatsächlich zogen rund 700 Menschen vom Innenstadtrand durch die Neustadt und zurück. Die Kundgebung selbst verlief nach Angaben von buten un binnen friedlich. Erst gegen 23 Uhr habe sich die Lage an der Kreuzung Sielwall / Vor dem Steintor zugespitzt, berichtet der Weser-Kurier.
Der Weser-Kurier zitiert einen Polizeisprecher, der die Situation vor Ort als „dynamisch“ beschrieb. Gegen 1.30 Uhr sei die Lage schließlich wieder ruhig gewesen. Ein Hubschrauber kreiste zeitweise über dem Viertel, Verstärkung aus anderen Bundesländern wurde an die Sielwallkreuzung gezogen. Wie wir am Donnerstag berichteten, hatte Bremen für das Festwochenende den größten Polizeieinsatz der Hansestadt-Geschichte angekündigt - 2.400 eigene Beamtinnen und Beamte, dazu Tausende Kräfte aus anderen Ländern und ein gesicherter Bereich um Dom und Glocke. Der Verfassungsschutz hatte linksextreme Szenen beobachtet, zugleich aber keine konkrete Bedrohungslage gesehen. Die Ermittlungen gegen die Festgenommenen laufen.
Festakt in der Glocke um 12 Uhr
Trotz der nächtlichen Zwischenfälle zieht die Polizei nach dem ersten Festtag eine positive Zwischenbilanz, wie buten un binnen in seinem Liveticker berichtet. Für Samstagmittag ist der Höhepunkt des dreitägigen Programms angesetzt. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Freien Hansestadt um 9.15 Uhr und einem ökumenischen Gottesdienst im St. Petri Dom hält Steinmeier um 12 Uhr die zentrale Rede im Konzerthaus Die Glocke, das Erste überträgt live. Im Anschluss empfängt der Bundespräsident laut Protokoll des Bundespräsidialamts Bürgerdelegationen aus allen 16 Bundesländern.
Nach Angaben der evangelischen Nachrichtenagentur epd erwartet der Senat über das Wochenende rund 450.000 Besucherinnen und Besucher, verteilt auf 14 Bühnen und mehr als 550 Veranstaltungen zwischen Hauptbahnhof und Weserstadion. Für Steinmeier dürfte es laut epd zugleich eine seiner letzten großen Reden im Amt sein: Seine zweite Amtszeit endet im März 2027, am 30. Januar wählt die Bundesversammlung in Berlin seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin. Das Motto „Viele Stärken - ein Land“ steht Bremen turnusgemäß zu, weil der Hansestadt derzeit der Bundesratsvorsitz zufällt.