Arte hat am Freitagabend, dem 15. Mai 2026, um 21.50 Uhr die deutsche Erstausstrahlung von Nick Broomfields Dokumentarfilm „Brian Jones und die Rolling Stones“ gezeigt. Eingebettet war der Film in einen Stones-Abend, der zuvor auch ein Porträt des langjährigen Gitarristen Ron Wood brachte, wie das Branchenportal Digitalfernsehen berichtet. Bereits seit dem 8. Mai steht Broomfields Arbeit in der Arte-Mediathek, abrufbar noch bis zum 13. November 2026. Dass der Name Brian Jones in diesen Tagen wieder auffällig oft nachgeschlagen wird, hat hier seinen Ausgangspunkt.
Jones, mit vollem Namen Lewis Brian Hopkin Jones, gründete die Rolling Stones 1962, gab der Band ihren Namen und prägte sie in den ersten Jahren als Gitarrist und Multiinstrumentalist. Arte beschreibt ihn in der Programmankündigung als den „blonden Engel des britischen Rhythm and Blues“. Auf frühen Aufnahmen brachte er Slide-Gitarre, Sitar und Marimba ein und verschaffte der Gruppe ihre Glaubwürdigkeit als Blues-Band - eine Rolle, die in der offiziellen Erzählung der Stones später kaum noch vorkam.
Mit dem Aufstieg der Band verschob sich die Macht. Mick Jagger und Keith Richards übernahmen das Songwriting und die Führung, Jones geriet an den Rand und kämpfte mit Drogen und Selbstzweifeln. Eine Verurteilung wegen Drogenbesitzes erschwerte ihm die Einreise in die USA, seine Partnerin Anita Pallenberg verließ ihn für Richards. Im Juni 1969 trennte sich die Band von ihm. Wenige Wochen später, am 3. Juli 1969, wurde Jones im Swimmingpool seines Anwesens tot aufgefunden - mit 27 Jahren, im selben Alter wie die später als „Klub 27“ zusammengefassten Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison.
Was Broomfields Film anders macht
Der britische Regisseur Nick Broomfield ist für seine investigativen Musikerporträts bekannt, darunter „Kurt & Courtney“ (1998) und „Whitney - Can I Be Me“ (2017). Für den Jones-Film, der 2023 international herauskam, wertete er nach Angaben der Produktion über Jahre seltenes Archivmaterial aus und verzichtete weitgehend auf gefilmte Gegenwartsinterviews, um die Erzählung in den sechziger Jahren zu halten. Broomfield, der Jones als 14-Jähriger nach eigener Schilderung zufällig in einem Zug begegnete, erzählt weniger eine Skandalchronik als die Geschichte eines früh ausgegrenzten Gründers.
Aus dem Stones-Umfeld kommt nur eine Bandstimme ausführlich zu Wort: Bill Wyman, bis 1993 Bassist der Gruppe. Mick Jagger und Keith Richards geben kein Exklusivinterview, Weggefährtinnen wie Marianne Faithfull und Anita Pallenberg sind über Archivaufnahmen präsent. Das ZDF, das den Film in seiner Arte-Kooperation als Porträt führt, hebt exklusive Interviews mit Weggefährten und Bandmitgliedern sowie bisher unveröffentlichtes Archivmaterial hervor.
Die Resonanz auf den Film fiel wohlwollend aus. Die Programmzeitschrift prisma zählte ihn in ihrer Besprechung zu den besten Musik-Dokumentarfilmen seit Längerem, auch im Feuilleton, etwa beim Tagesspiegel, wurde die Arbeit besprochen. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod rückt der Mann, der die Rolling Stones erfand und aus ihrer Geschichte fast verschwand, damit noch einmal in den Mittelpunkt - in der Arte-Mediathek bis zum 13. November.