Am Freitagmorgen haben mehrere Augenzeugen in der Flensburger Förde einen Buckelwal gesichtet. Das Tier tauchte wiederholt an der Oberfläche auf und war zeitweise gut vom Ufer aus zu sehen. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium bestätigte die Beobachtung im Laufe des Vormittags. Nach Angaben des Ministeriums schwamm der Wal zunächst in Richtung Flensburger Innenstadt, drehte dann ab und war um 10:06 Uhr auf Höhe Glücksburg unterwegs, wie t-online berichtet.

Bei dem Tier soll es sich um „Hartwin“ handeln, einen jungen Buckelwal, der seit Wochen durch die Ostsee zieht. Die Meeresschutzorganisation WDC verfolgt seine Route seit Ende Juni: erst britische und niederländische Gewässer, dann der Kleine Belt zwischen Fünen und dem dänischen Festland, zuletzt die Kieler Förde. Eine „zweifelsfreie Bestätigung der Identität“ habe zunächst nicht vorgelegen, meldete das Portal foerde.news, doch die Aufnahmen aus Flensburg gleichen den zuvor bekannten Bildern.

Fachleute beobachten Hartwins Zustand mit wachsender Sorge. Sichtbare Hautveränderungen und eine ungewöhnlich blasse Färbung deuteten auf ein geschwächtes Immunsystem hin, teilte die WDC mit. Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt ordnet die immer häufigeren Ostsee-Besuche großer Wale klimapolitisch ein: „Große Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, dennoch kommt es immer wieder vor, dass Buckelwale und Finnwale kleine Abstecher in die Ostsee unternehmen“, sagte sie. Der Klimawandel verschiebe Beutefelder und dränge die Tiere in ungewohnte Reviere.

Große Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, dennoch kommt es immer wieder vor, dass Buckelwale und Finnwale kleine Abstecher in die Ostsee unternehmen.
- Tamara Narganes Homfeldt, WDC

Walexperte Heiko Buch-Illing rechnet mit einem schlechten Ausgang. Die langsame Fortbewegung und die Verfärbungen sprächen für eine erhebliche Schwächung, sagte er t-online. Ein Stranden im flachen Wasser sei aus seiner Sicht wahrscheinlich. Das Umweltministerium hat für diesen Fall bereits ein Alarmprotokoll aktiviert. Sollte der Wal auf Grund laufen, werde das Gebiet abgesperrt - „gestrandete Wale können Krankheiten übertragen“, so ein Ministeriumssprecher gegenüber t-online.

Warnung an Boote und Schaulustige

Die Flensburger Wasserschutzpolizei begleitet den Wal mit einem Boot und koordiniert sich mit den Verkehrsbehörden. Das Ministerium bittet, das Tier „so ungestört wie möglich zu lassen und größtmöglichen Abstand zu halten“, wie der Tagesspiegel zitiert. Sportbootfahrer und Freizeitskipper sollen den Wal weder verfolgen noch einkreisen. Zuletzt wurde Hartwin östlich der Innenförde bei Langballigau beobachtet, mit Kurs auf die Geltinger Bucht.

Für das Bundesland ist es der zweite prominente Buckelwal-Fall binnen weniger Monate. Im Frühjahr war der Wal „Timmy“ mehrfach an der schleswig-holsteinischen und mecklenburg-vorpommerschen Küste gestrandet. Eine private Initiative hatte ihn per Ponton in die Nordsee gebracht und dort freigelassen - Fachleute kritisierten die Aktion damals als Tierquälerei. Das geschwächte Tier überlebte nur wenige Tage, sein Kadaver trieb Anfang Mai vor der dänischen Insel Anholt an Land.