Gut zwei Wochen nach der spektakulären Freilassung des Buckelwals Timmy in der Nordsee weiß niemand, wo das Tier ist. Der Sender, der seinen Weg dokumentieren sollte, schweigt - und das Land Mecklenburg-Vorpommern erklärt, es habe bis heute keine verlässlichen Daten über Verbleib oder Zustand des Wals erhalten.

Rund einen Monat hatte sich das Jungtier in einer flachen Bucht vor der Insel Poel in der Ostsee aufgehalten, ehe eine privat finanzierte Rettungsinitiative eingriff. Unter Leitung der Unternehmerin Karin Walter-Mommert, rechtlich vertreten durch Constanze von der Meden, wurde der Wal auf einen Lastkahn verladen. Am 1. Mai lenkte der Konvoi Richtung Nordsee um, am Morgen des 2. Mai verließ Timmy den Kahn im Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen und schwamm in nordwestlicher Richtung davon.

Seitdem fehlt jedes belastbare Lebenszeichen. „Im Moment haben wir keine Signale mehr“, räumte Walter-Mommert ein. Das Umweltministerium in Schwerin teilte mit, es habe trotz Absprachen weder verlässliche Tracking-Daten noch gesicherte Informationen über den Gesundheitszustand des Tieres bekommen. Umweltminister Till Backhaus verwies darauf, dass er von Beginn an eine Begleitung des Wals zugesagt habe: „Ich habe von Beginn an gesagt, dass wir den Wal begleiten werden.“ Kritik gibt es auch an der Informationspolitik der Initiative: Das Sendermodell werde aus „Sicherheitsgründen“ nicht offengelegt, übermittelte Signale seien als „Datenmatsch“ unbrauchbar, ein Bericht der Reederei lasse Fragen offen.

Walschützer verlangen Aufklärung

Die Meeresschutzorganisation WDC (Whale and Dolphin Conservation) fordert eine lückenlose Offenlegung aller Gesundheits-, Transport- und Tracking-Daten sowie eine Prüfung möglicher Verstöße gegen das Tier- und Naturschutzrecht. Geschäftsführerin Franziska Walter sieht in dem Fall mehr als eine gescheiterte Einzelaktion.

Für WDC ist dieser Fall kein isoliertes Ereignis, sondern Ausdruck struktureller Defizite im Umgang mit Meeressäugern.
- Franziska Walter, Geschäftsführerin WDC Deutschland

Die Organisation dringt auf „klare Abläufe, wissenschaftsbasierte Entscheidungen und vor allem Transparenz“ und warnt, dass gut gemeinte Eingriffe ohne wissenschaftliche Begleitung das Leiden eines Tieres eher verlängern als beenden können. Ob Timmy die Reise überstanden hat, lässt sich derzeit nicht sagen.