Auf dem Bürgenstock über dem Vierwaldstättersee beginnen am Freitag die ersten Umsetzungsverhandlungen zwischen den USA und Iran. Wie wir vor zwei Tagen berichteten, hatten Donald Trump und der iranische Präsident Masoud Pezeshkian am Dienstag im Schloss Versailles ein Memorandum of Understanding zum Ende des Krieges unterzeichnet. Auf der Schweizer Bergspitze sollen nun die Modalitäten ausgearbeitet werden - vom Umgang mit dem hochangereicherten Uran bis zur dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus.
Die US-Delegation führt Trump-Sondergesandter Steve Witkoff, für Iran ist Außenminister Abbas Araghchi angereist. Mediatoren bleiben Pakistan und Katar; sie hatten den Bürgenstock als Ort vorgeschlagen. Die Schweiz fungiert nicht als Vermittlerin, sondern als Gastgeberin: Das EDA spricht von der „Schaffung diplomatischer Rahmenbedingungen“. Über dem Resort gilt seit dieser Woche eine Luftraumsperre von 46 Kilometern Durchmesser, bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten der Schweizer Armee unterstützen die Polizei bei Objektschutz, Aufklärung und Transport.
„Der Ort lässt sich gut abschirmen und sichern“, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin zur Standortwahl. Es war derselbe Bürgenstock, der im Sommer 2024 die Ukraine-Friedenskonferenz beherbergte - mit demselben logistischen Profil: ein abgeschlossener Hotelkomplex, hoch über dem See, gut zu räumen, gut zu bewachen.
Was die Schweiz „gute Dienste“ nennt
Die Rolle Berns ist diesmal kleiner als bei klassischen Vermittlungen. „Unterschätze nicht den Caterer“, formulierte es Laurent Goetschel von der Schweizerischen Friedensstiftung gegenüber SRF: Sicherheit, Protokoll und Logistik gehörten zu den Dienstleistungen, die in diplomatischen Prozessen oft unterschätzt würden. Thomas Greminger vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik verwies darauf, dass das Resort dem katarischen Staatsfonds gehört - was die Standortwahl politisch eingerahmt habe.
Greifbare Erwartungen an den Freitag bleiben vorsichtig. Das Versailles-Memorandum legte die Architektur eines Friedensschlusses fest - inklusive der gegenseitigen Aufhebung der Blockade in der Straße von Hormus, deren naval blockade das US-Zentralkommando CENTCOM bereits am Mittwoch aufhob. Die Detailfragen aber, vor allem der Verbleib des hochangereicherten Urans und der Modus der Inspektionen, sind offen. Parmelin deutete an, dass die eigentliche Detailarbeit nicht auf dem Bürgenstock stattfinden werde, sondern vermutlich in Genf, wo Fachdelegationen über Wochen tagen könnten.
Unterschätze nicht den Caterer.
Streit um den Libanon bleibt im Hintergrund
Belastet wird der Auftakt durch den Streit, über den am Donnerstag berichtet wurde: Israels Außenminister Israel Katz hatte das Memorandum als „nicht bindend“ für Israel bezeichnet, nachdem iranische Stellen einen israelischen Rückzug aus dem Süden Libanons als Vorbedingung für die volle Umsetzung gefordert hatten. In Washington und Tehran wird das öffentlich abmoderiert, in der Sache bleibt es offen. Auf dem Bürgenstock dürfte das Thema heute am Rand stehen - im Zentrum stehen Uran, Sanktionen und Hormus.