Andy Burnham ist zurück in Westminster. Der 56-jährige Bürgermeister von Greater Manchester gewann am Donnerstag die Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Makerfield mit 24.927 Stimmen, das sind 54,8 Prozent. Robert Kenyon von der rechtspopulistischen Reform UK kam mit 15.696 Stimmen auf den zweiten Platz, der Vorsprung Burnhams beträgt 9.231 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent, deutlich höher als die 52,4 Prozent bei der Unterhauswahl 2024.
Damit hat Burnham, was er für seine eigentliche Mission braucht: einen Sitz im House of Commons. Ohne diesen Sitz kann nach den Regeln der Labour Party niemand den Parteivorsitz und damit den Posten des Premierministers anfechten. Sein Vorgänger im Wahlkreis, Josh Simons, hatte den Sitz Mitte Mai eigens für Burnham geräumt, um genau diese Konstellation zu ermöglichen. Premierminister Keir Starmer gratulierte knapp und schrieb in einer Mitteilung, die Wählerinnen und Wähler hätten sich für „Hoffnung und Optimismus“ entschieden, nicht für „Spaltung und Hass“. Mehr nicht.
In seiner Siegesrede sagte Burnham: „Jeder spürt, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte.“ Er versprach, dafür zu kämpfen, dass „der Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen.“ Gegenüber dem Senders Al Jazeera fügte er hinzu, der Sieg „könnte der Wendepunkt sein“, auf den die britische Politik gewartet habe. Die Berliner Zeitung zitiert seine Worte als „letzte Chance auf einen Kurswechsel“ für Labour.
Jeder spürt, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte.
Was Burnham als Nächstes braucht
Für eine offizielle Anfechtung des Labour-Vorsitzes braucht Burnham nach Parteistatut die schriftliche Unterstützung von 81 der 404 Labour-Abgeordneten, das entspricht 20 Prozent. Zusätzlich müssen ihn fünf Prozent der angeschlossenen Ortsverbände, Gewerkschaften und Organisationen nominieren. Beobachter halten beide Schwellen nach dem Makerfield-Ergebnis für überschreitbar - die BBC zitiert Stimmen aus der Fraktion, wonach mehrere Dutzend Abgeordnete bereits intern signalisiert haben, einen Wechsel mitzutragen. Starmer könnte freiwillig zurücktreten oder sich der Wahl stellen; einen Zeitplan für beides hat Downing Street bislang ausgeschlossen.
Den Boden für Burnhams Vorstoß bereitet eine doppelte Krise. Labour hatte bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai empfindlich verloren, mehrere Regierungsmitglieder waren in den vergangenen Monaten über Affären zurückgetreten. In Umfragen liegt Reform UK seit Wochen vor Labour. Burnham, von der Berliner Zeitung als „Liebling des moderat-linken Parteiflügels“ beschrieben, gilt als der mit Abstand aussichtsreichste Herausforderer: regierungserfahren - er war 2009/10 Gesundheitsminister unter Gordon Brown -, im Norden Englands stark verankert und seit 2017 zweimal mit über 60 Prozent zum Bürgermeister von Greater Manchester gewählt.
Reform UK profitiert mit
Auffällig ist die Bewegung am rechten Rand. Reform UK legte in Makerfield um 2,7 Prozentpunkte zu, die neue Splittergruppe Restore Britain kam aus dem Stand auf 6,8 Prozent. Die Konservativen brachen um 8,7 Punkte ein und landeten mit 2,2 Prozent hinter Restore Britain auf Platz vier. Liberaldemokraten und Grüne blieben unter einem Prozent. Der Wahlkreis war zwar nie ein Gradmesser für Reform UKs Aufstieg - Makerfield gilt als sichere Labour-Hochburg -, doch die Verschiebung an der rechten Flanke deutet darauf hin, dass die nächste reguläre Wahl in Großbritannien zu einer Auseinandersetzung zwischen Reform UK und Labour werden könnte. Genau diese Lage soll Burnham nun innerhalb seiner Partei zum Argument machen, dass Starmer sie nicht mehr gewinnen kann.