Wie wir am 19. Juni berichteten, hatte Andy Burnham mit dem Sieg bei der Makerfield-Nachwahl den formalen Weg zur Anfechtung des Labour-Vorsitzes freigemacht. Einen Monat später ist die Übergabe vollzogen: An diesem Montag reicht Keir Starmer im Buckingham Palace seinen Rücktritt als Premierminister ein, danach beauftragt König Charles III. den 56-jährigen früheren Bürgermeister von Greater Manchester mit der Regierungsbildung. Am Nachmittag will Burnham vor der Tür von 10 Downing Street seine Antrittsrede halten.
Burnham ist damit der siebte Premier innerhalb von zehn Jahren. Nominiert wurde er nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa-AFX von 379 der 403 Labour-Abgeordneten - deutlich über der Vier-Fünftel-Schwelle, die nach Parteistatut Gegenkandidaten ausschließt. Alternative Bewerber gab es keine. Das Verfahren umging eine Mitgliederbefragung, was in der Fraktion für Diskussionen sorgt, in der Praxis aber die Übergabe binnen weniger Wochen ermöglicht hat.
In vorab an britische Sender verteilten Auszügen seiner Downing-Street-Rede formuliert Burnham betont zurückhaltend. Großbritannien stehe „in einem Moment nicht für Triumphgesten, sondern für Ehrlichkeit und Nachdenken", heißt es in dem von GB News zitierten Text. Er sei sich „schmerzlich bewusst", der sechste neue Premier in zehn Jahren zu sein, den die Straße empfange; sein Amt müsse „greifbare Verbesserungen im Leben der Menschen" liefern. Der Sender LBC berichtet, Burnham werde dem Land „mehr Luft zum Atmen" und „mehr Hoffnung" versprechen.
Dies ist das Ende meiner politischen Reise.
Was Burnham verändern will
Zwei inhaltliche Weichenstellungen sind bereits vor dem Amtsantritt bekannt. Erstens hat Burnham den umstrittenen digitalen Personalausweis kassiert, den Starmer im Herbst 2025 als Kernprojekt gegen irreguläre Migration angekündigt hatte. Zweitens plant er ein sogenanntes „No. 10 North" in Manchester, eine Außenstelle des Kabinettsamts, mit der Entscheidungsmacht aus London abgezogen und in die englischen Regionen verlagert werden soll. Die Zeitschrift Time nennt das Modell die klarste Machtverschiebung seit der Devolution nach Schottland und Wales. In seiner Antrittsrede als Parteichef am vergangenen Freitag sagte Burnham: „Ich werde eine neue Politik aufbauen. Das Land verlangt danach." Und weiter: „Veränderung beginnt mit Ehrlichkeit."
Über das Kabinett kursieren erst Namen, keine Bestätigungen. Als aussichtsreichste Kandidatin für einen zentralen Posten gilt Vize-Parteichefin Angela Rayner. Konkrete Ressort-Ankündigungen werden für den späten Nachmittag erwartet, wenn Burnham seine ersten Minister nach Downing Street bestellt.
Starmers Abschied
Starmer hatte am Mittwoch seine letzte Fragestunde im Unterhaus absolviert. „Dies ist das Ende meiner politischen Reise", sagte er dort laut PBS News. „Jeder Premierminister weiß beim Amtsantritt, dass der Tag kommt, an dem er die Fackel weitergeben muss." Er sei „stolz, dieses Land in besserem Zustand zu hinterlassen, als ich es vorgefunden habe". Seiner Frau Victoria und seinen beiden Kindern auf der Besuchertribüne rief er ein „I love you" zu, bevor er mit einem knappen „Goodbye" schloss. Konservativen-Chefin Kemi Badenoch quittierte den Abgang mit den Worten „Life comes at you fast" - eine Anspielung darauf, dass Starmer ihr im vergangenen Jahr eine kurze Amtszeit prophezeit hatte. Nach der Rücktrittsaudienz beim König steht Starmer noch der von ihm hinterlassene Dienstwagen zur Verfügung, mit dem er nach Angaben der taz zum letzten Mal die Downing Street verlässt, ehe Burnham eintrifft.
Politisch übernimmt Burnham eine Partei, die in Umfragen seit Wochen hinter Nigel Farages Reform UK liegt. Sein Amtsantritt ist zugleich der Startschuss für den Wahlkampf um die reguläre Unterhauswahl, die spätestens im August 2029 stattfinden muss. In der Zwischenzeit wird sich sein Anspruch, „für uns alle" da zu sein, wie er es am Freitag formulierte, an konkreten Entscheidungen zu Wasser- und Energieversorgung, Regionalpolitik und Migration messen lassen müssen.