Vor tausenden Menschen im LeBreton Flats Park in Ottawa hat Kanadas Premierminister Mark Carney am Mittwoch den 159. Nationalfeiertag seines Landes zu einem Bekenntnis zur Einheit gemacht. Der Auftritt fiel in eine offene Zollkrise mit US-Präsident Donald Trump und in die Debatte um ein Separatismus-Referendum in Alberta, das für den 19. Oktober angesetzt ist.

Carney sprach vor der Bühne am Ottawa River von einer „gefährlicheren und gespalteneren Welt“ und lobte den Mut, mit dem Kanadier ihr begegneten, wie CBC News berichtete. Auf Französisch nannte er den Satz „Einheit erfordert keine Uniformität“ den Gründungsgedanken des Landes. In seiner schriftlichen Erklärung rief er die Kanadier zudem auf, „mit kanadischen Arbeitern, kanadischem Stahl und kanadischen Werten“ wieder groß zu bauen, und verwies auf die Nationalbahn von 1885 und den Trans-Canada Highway als historische Vorbilder.

Wenn Mut die Art ist, wie wir der Welt begegnen, ist Verbundenheit, wie wir erreichen, was unmöglich erscheint.
- Mark Carney, Canada-Day-Rede in Ottawa

Auf der Bühne standen die Barenaked Ladies, Alessia Cara und Isabelle Boulay, die Kunstflugstaffel Snowbirds der Royal Canadian Air Force überflog gegen Mittag die Mittagszeremonie. Das Wetter zwang die Veranstalter zu Anpassungen: Environment Canada gab um 15:15 Uhr Ortszeit eine gelbe Unwetterwarnung heraus, Ottawa lag zugleich unter einer orangefarbenen Hitzewarnung. Das Feuerwerk war für 22 Uhr geplant.

Zwischen Trumps Zöllen und Albertas Referendumsfrage

Hintergrund der Einheits-Botschaft sind die anhaltenden Spannungen mit Washington. Trump hatte zuletzt Zölle von 100 Prozent auf kanadische Waren in Aussicht gestellt und Kanada mehrfach als möglichen „51. Bundesstaat“ bezeichnet, wie unter anderem der Tagesspiegel berichtete. Carney sprach in seiner offiziellen Erklärung von einem Handelskonflikt, den Kanada „nicht begonnen“ habe, so eine Zusammenfassung des Portals t-online.

Im Westen des Landes wächst parallel die Separatismus-Debatte. Albertas konservative Premierministerin Danielle Smith hat eine Frage zur Ablösung von Kanada auf den Stimmzettel des 19. Oktober gesetzt, obwohl sie persönlich für den Verbleib votieren will, wie das Magazin Time berichtet. Eine Ipsos-Erhebung vom Januar taxierte die Zustimmung zur Unabhängigkeit in Alberta auf 29 Prozent, in Québec liegt sie laut derselben Umfrage bei 31 Prozent. Nach Angaben von Time hatten sich Vertreter der Trump-Administration wiederholt mit Aktivisten des „Alberta Prosperity Project“ getroffen.

Die Stimmung im Land reagiert auf die Anspannung mit einem patriotischen Aufschwung. Nach einer Umfrage von Harris Poll Canada bekannten sich zuletzt 70 Prozent der Kanadier zum Stolz auf ihr Land, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vormonat. Carney reiste am Nachmittag weiter nach Edmonton, in die Stadt seiner Kindheit, wo er bei einer der größten Canada-Day-Feiern des Landes auftrat. Die kanadischen WM-Städte Toronto und Vancouver richten am Freitag die nächsten Achtelfinal-Partien der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aus.