Zwei Jahre nach dem nächtlichen Teileinsturz der Carolabrücke hat der Dresdner Stadtrat den Entwurf für den Ersatzneubau beschlossen. In der Sitzung am vergangenen Donnerstag stimmten 39 Abgeordnete für den Vorschlag der spanisch-deutschen Planungsgemeinschaft FHECOR Deutschland und TSSB Planungsgesellschaft, 31 dagegen. Enthaltungen gab es nicht. Getragen wurde die Mehrheit von CDU, Team Zastrow und der Fraktion FDP/Freie Bürger, wie die Stadt Dresden mitteilte.

Der Beschluss folgt dem Ergebnis der öffentlichen Beteiligung „carolaVOTE“: Mehr als 25.800 Menschen hatten die vier vorgelegten Entwürfe bewertet, der Vorschlag von FHECOR und TSSB landete dabei auf Platz eins. Das Preisgericht hatte allerdings eine andere Arbeit empfohlen. Der Stadtrat setzte sich über dieses Fachvotum hinweg.

Patrick Probst (FDP) nannte den Siegerentwurf im Ratssaal „eine typische Dresdner Brücke“, wie t-online aus der Sitzung berichtete. Bettina Kempe-Gebert (CDU) verwies auf die Bogenform, die an die historische Elbbrückenkulisse anschließe. Thomas Ladzinski (AfD) argumentierte, die Arbeit biete die kompakteste Grundfläche und Spielraum für die städtebauliche Entwicklung des Umfelds.

Der Entwurf trägt die größten Risiken und kann zu explodierenden Kosten führen.
- André Schollbach, Fraktionschef Die Linke, in der Stadtratsdebatte

SPD, Grüne und Linke stimmten geschlossen dagegen. Sie warnten vor jahrelangen Genehmigungsverfahren, weil der Entwurf 2,5 Meter höher liegt als die alte Brücke und zusätzliche Strompfeiler im Flussbett braucht. Für Rollstuhlfahrer und Radfahrer entstünden zu steile Rampen, kritisierten die Fraktionen. Ein Änderungsantrag von SPD, Grünen und Linken für eine zweispurige Variante, die rund 30 Millionen Euro günstiger gewesen wäre, fand keine Mehrheit. Auch ein Vorstoß von Piraten, Volt und Die PARTEI für eine autofreie Brücke scheiterte.

Kosten und Zeitplan

Die Stadt beziffert die Investitionssumme auf rund 140 Millionen Euro. Die Ausführungsplanung soll Anfang 2027 abgeschlossen sein, die Ausschreibung ist für Oktober 2027 vorgesehen. Baubeginn soll im zweiten Quartal 2028 sein, die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Jan Tröber von TSSB verwies gegenüber diesachsen.de darauf, der Entwurf sei „die schmalste und kostengünstigste“ Variante und werde auch im Unterhalt geringere Ausgaben verursachen.

Baubürgermeister Stephan Kühn erinnerte in seiner Rede daran, dass es in der Einsturznacht großes Glück gewesen sei, dass niemand zu Schaden kam. Die letzte Straßenbahn war 18 Minuten vor dem Einbruch des Brückenzugs C in die Elbe über die Carolabrücke gefahren.

Offene juristische Fragen

Der Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi warnte laut diesachsen.de vor Klagen von Naturschutzverbänden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung liegt noch nicht vor, der Umfang der Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Elbaue ist offen. Der Bezirksrat Neustadt, in dem die Grünen die stärkste Kraft sind, hatte sich zuvor mit deutlicher Mehrheit für eine zweispurige Lösung ausgesprochen.

Am 11. September jährt sich der Teileinsturz der Carolabrücke zum zweiten Mal. Der Brückenzug C mit Straßenbahngleisen sowie Fuß- und Radwegen war in den frühen Morgenstunden des 11. September 2024 in die Elbe gestürzt. Die Abbrucharbeiten am Reststück laufen seither, das Terrassenufer soll Mitte September wieder freigegeben werden.