Vier Planungsbüros haben am Dienstag in Dresden ihre Entwürfe für den Neubau der im September 2024 teils eingestürzten Carolabrücke übergeben. Das Rathaus zeigte die Konzepte zunächst dem Begleitgremium des Verfahrens, ab dem 13. Juni 2026 sollen die Visualisierungen und Modelle im Stadtforum öffentlich ausliegen.
Beauftragt sind FHECOR Deutschland und die Berliner TSSB Planungsgesellschaft, das Ingenieurbüro GRASSL aus München, Schüßler-Plan gemeinsam mit dem Architekturbüro DKFS sowie Leonhardt, Andrä und Partner mit Knight Architects. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte die parallele Vergabe an vier Teams im vergangenen Jahr als „ungewöhnlichen Weg“ verteidigt, um Tempo in den Wiederaufbau zu bringen. „Dresden will diese wichtige Elbquerung möglichst schnell und als leistungsfähige wie auch attraktive Brücke wiederherstellen“, erklärte Hilbert am Dienstag laut Stadt.
Erstmals nannte das Rathaus auch eine Kostenrichtung. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) sagte gegenüber diesachsen.de, zwei der vier Arbeiten lägen um einen zweistelligen Millionenbetrag unter dem Budget von 142 Millionen Euro. Welche Büros das sind und mit welchen Summen sie genau kalkulieren, ließ Kühn offen. Eine Variante soll demnach unter der 100-Millionen-Marke liegen.
Die besondere Transparenz der Konstruktion ermöglicht freie Blickbeziehungen auf die Dresdner Altstadt sowie entlang der Elbe.
Bögen, flache Bauhöhe, vier Spuren
Alle vier Konzepte greifen die Bogenform der historischen Brücke auf und halten die Konstruktion bewusst flach, um die Sichtachsen zur Altstadtsilhouette zu schonen. FHECOR und TSSB nennen ihren Vorschlag „Carolabrücke 3.0“ und werben mit der Transparenz der Konstruktion. GRASSL plant eine semi-integrale Bauweise mit sogenannten Stadtbalkonen, kleinen Aufenthaltsflächen über den Pfeilern.
Schüßler-Plan und DKFS setzen auf flache Bögen aus Spannbeton und Stahl, ergänzt um eine Promenade mit Elbbalkon. Leonhardt, Andrä und Partner sowie Knight Architects rücken einen breiten Fußweg in den Mittelpunkt, der die Elberäume von Altstadt und Neustadt „zum Flanieren einladen und erstmals direkt“ verbinden soll, wie es im Entwurfstext heißt. Alle Vorschläge sehen vier Fahrspuren und eine an die Originalbreite von rund 33 Metern angelehnte Konstruktion vor. Kritik aus Fachkreisen, etwa im Neustadt-Geflüster, richtet sich gegen den Beibehalt aller vier Spuren; Sachverständige hatten zwei bis drei Spuren empfohlen.
Entscheidung im September
Am 5. Juni prüft ein externes Sachverständigengremium die Arbeiten, am 10. Juni werden die Ergebnisse im Bauausschuss öffentlich vorgestellt. Vom 13. Juni bis 17. Juli sind Modelle und Visualisierungen in der AGORA des Stadtforums zu sehen, parallel startet die Onlinebeteiligung „carolaVOTE“. Über die Vergabe für die weitere Planung entscheidet der Stadtrat voraussichtlich am 3. September. Eine Teilöffnung der neuen Brücke ist laut Stadt für Herbst 2029 vorgesehen, der volle Verkehr soll 2031 rollen.
Die Carolabrücke war am 11. September 2024 im Bereich des Brückenzugs C eingestürzt; Hennigsdorfer Spannstahl mit Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion gilt als Hauptursache. Dresden ließ die verbliebenen Brückenzüge im Frühjahr 2025 abtragen und beauftragte vier Büros parallel, um das Verfahren zu beschleunigen. Mit den jetzt vorliegenden Entwürfen beginnt die Phase der öffentlichen Auseinandersetzung.