Ein Jahr nach dem tödlichen Schuss auf den rechten US-Aktivisten Charlie Kirk hat der Gouverneur des Bundesstaates Utah, der Republikaner Spencer Cox, den 10. September zum offiziellen „Charlie Kirk Day“ erklärt. Am selben Tag versammelten sich Anhänger seiner Organisation Turning Point USA am Tatort an der Utah Valley University in Orem, während Präsident Donald Trump auf dem Republikaner-Konvent in Dallas des Getöteten gedachte.
Kirk, damals 31 Jahre alt und Mitgründer der einflussreichen konservativen Jugendorganisation Turning Point USA, war am 10. September 2025 während einer Diskussionsveranstaltung auf dem Campus in Orem aus rund 140 Metern Entfernung vom Dach eines Nachbargebäudes erschossen worden. Rund 3.000 Menschen hatten sich zu dem offenen Debatten-Format versammelt, Sicherheitskontrollen mit Metalldetektoren gab es nicht.
Als mutmaßlicher Täter steht der heute 22-jährige Tyler James Robinson vor Gericht, ein Elektriker-Auszubildender aus dem Bundesstaat Utah. Anfang September entschied Richter Tony F. Graf im Vorverfahren, dass hinreichender Tatverdacht in allen sieben Anklagepunkten besteht, darunter Mord und der Einsatz einer Schusswaffe. Der eigentliche Hauptprozess soll nach bisheriger Planung im Oktober 2026 beginnen. Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft Robinsons Ablehnung von Kirks Positionen zu Transrechten.
Cox: Politik ohne Gewalt
In seiner Proklamation stellte Gouverneur Cox das Gedenken bewusst in einen staatsbürgerlichen Rahmen und wandte sich gegen politische Gewalt. „Vor einem Jahr kam Charlie Kirk nach Utah, um an einer fundamentalen amerikanischen Tradition teilzunehmen: offen zu sprechen, Ideen zu debattieren und andere zu überzeugen“, erklärte Cox laut dem Sender Fox 13. „Heute ehren wir Charlies Andenken, indem wir eine Politik wählen, die unseres Landes würdig ist - eine, bei der wir für unsere Überzeugungen einstehen und Gewalt zurückweisen.“
Auch die Führung des Landesparlaments von Utah äußerte sich. Senatspräsident J. Stuart Adams erklärte gegenüber Fox 13: „Heute erinnern wir uns an Charlie, seine Familie und alle, die von den Ereignissen jenes Tages betroffen sind. Politische Differenzen sollten niemals zu politischer Gewalt führen.“ Die republikanische Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus des Staates nannte Kirks Tod „eine dauerhafte Mahnung, dass politischer Meinungsstreit niemals zu Gewalt führen darf“.
Heute ehren wir Charlies Andenken, indem wir eine Politik wählen, die unseres Landes würdig ist - eine, bei der wir für unsere Überzeugungen einstehen und Gewalt zurückweisen.
Gedenken am Tatort, MAGA im Streit
Am Abend hielt Turning Point USA unter dem Titel „Freedom Built to Last“ eine Gedenkfeier im UCCU Center auf dem Campus in Orem ab. Als Redner traten unter anderem der Fernsehmoderator Glenn Beck und der christliche Apologet Frank Turek auf. „Vor einem Jahr haben wir getrauert, wir haben Stadien gefüllt, und wir haben versprochen, die Fackel weiterzutragen. Seine Fackel“, sagte Beck. Kirks Witwe Erika Kirk, seit dem Tod ihres Mannes Vorstandsvorsitzende und CEO der Organisation, verbrachte den Tag laut einem Familiensprecher privat mit ihren beiden kleinen Kindern und veröffentlichte online lediglich ein Foto ihres Hochzeitstages mit der Bildunterschrift „... until Heaven“.
In Dallas nutzte Trump den parallel laufenden Kongress des Republican National Committee, um Kirk zu würdigen. Nach seinen Worten brachen die Delegierten in „Charlie, Charlie“-Sprechchöre aus. „In Charlies Namen möchte ich einfach sagen: Wir lieben dich, Charlie“, sagte der Präsident laut übereinstimmenden US-Berichten. Kirk hatte Trump 2024 wesentlich mit dessen Wiederwahl geholfen, Turning Point USA gilt als eine der einflussreichsten konservativen Jugendorganisationen des Landes.
Zugleich zeigt das Newsweek-Magazin, wie sehr die MAGA-Bewegung ein Jahr später gespalten ist. Zwischen etablierten Trump-Vertrauten und Dissidenten, die sich gegen einen Kurswechsel bei Israel- und Iran-Politik stellen, ist bisher kein neuer Kopf mit Kirks Reichweite entstanden. Erika Kirk selbst hat sich bereits auf Vizepräsident JD Vance für 2028 festgelegt. Unter Trumps Anhängern kursieren zudem Verschwörungserzählungen über den Mord, denen die Bundesbehörden bislang widersprechen: Robinson habe allein gehandelt.