OpenAI hat seine seit Monaten angekündigte Werbeeinblendung in ChatGPT in dieser Woche in Deutschland und 30 weiteren europäischen Märkten freigeschaltet. Wie ZDFheute berichtet, sehen Nutzer der Gratis-Version und des günstigsten Bezahltarifs „Go“ seit Anfang der Woche unterhalb der Antworten Anzeigen, gekennzeichnet als „Sponsored“ und optisch vom Chat abgetrennt. Die Bezahlstufen Plus, Pro, Business und Enterprise bleiben werbefrei, ebenso Konten, die OpenAI als minderjährig einstuft.

Der Start am 24. August markiert für OpenAI den ersten großen Ausrollschritt in Europa, nachdem der Ads Manager im Juli bereits in den USA an Werbekunden wie Best Buy und Lowe's ausgeliefert wurde. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem übrigen Europäischen Wirtschaftsraum verzichtet OpenAI vorerst auf personalisierte Werbung. Anzeigen werden laut Unternehmensangabe anhand des laufenden Gesprächs, Sprache, Geräteklasse und ungefährem Standort ausgesteuert, nicht anhand gespeicherter Chatverläufe oder Memory-Einträgen. „Sensible oder regulierte Themen“ wie Gesundheit und Politik sollen ausgenommen bleiben, ebenso versichert OpenAI, dass Anzeigen keinen Einfluss auf die generierten Antworten nehmen.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil Firmengründer Sam Altman lange als Werbeskeptiker galt. Im Podcast von Lex Fridman sagte er noch 2024, er hasse Werbung „einfach aus ästhetischen Gründen“. Nun steht OpenAI unter Umsatzdruck: Die aktuellen Prognosen des Unternehmens gehen laut Basic Thinking von rund 2,5 Milliarden Dollar Umsatz 2026 aus, 11 Milliarden für 2027 und 100 Milliarden bis 2030. Rund 900 Millionen Menschen nutzen ChatGPT wöchentlich in der Gratisstufe - eine Reichweite, an der die europäische Werbeindustrie erwartungsvoll wartet.

Ich hasse Werbung irgendwie - einfach aus ästhetischen Gründen.
- Sam Altman, OpenAI, im Lex Fridman Podcast 2024

DSGVO-Bedenken bleiben trotz Kontext-Targeting

Auch ohne personalisiertes Targeting ist die Umsetzung in der EU juristisch heikel. Karoline Ströhlein, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Regensburg, warnt in der Tagesschau, Werbung könne „den Gesprächsverlauf somit auch dann beeinflussen, wenn sie nicht direkt in die Antwortgenerierung eingreift“. Alicia von Schenk, Professorin für Economics of AI in Würzburg, ordnet den Schritt gegenüber der Tagesschau ein: „OpenAI ist damit nicht völlig allein: Microsoft zeigt bereits Anzeigen in Copilot, und Google integriert Werbung in seine KI-gestützte Suche.“

In Deutschland vermarktet OpenAI die Anzeigen zunächst über sein Ads-Solutions-Team gemeinsam mit Agentur- und Technologiepartnern. Der Self-Service-Ads-Manager, mit dem Werbekunden Kampagnen eigenständig einbuchen könnten, soll laut Hardwareluxx noch im dritten Quartal folgen. Für Nutzer, die die Einblendungen loswerden wollen, gibt es derzeit nur einen Weg: Umstieg auf einen der Bezahltarife ab dem Plus-Abo.