Paris hat seine Sensation. Maja Chwalinska hat am Donnerstagabend im Halbfinale der French Open Diana Schnaider mit 7:6 (7:4), 6:4 geschlagen und steht damit im Finale von Roland Garros. Die 24-jährige Polin ist die erste Qualifikantin in der Geschichte des Turniers, die das Endspiel erreicht. Sky berichtet von der historischen Bedeutung, t-online ordnet ein: Vor Chwalinska war ein solcher Lauf nur Emma Raducanu bei den US Open 2021 gelungen - die Britin gewann damals den Titel.
Das Halbfinale auf dem windigen Court Philippe Chatrier zog sich. Im ersten Satz brachen beide Spielerinnen sich gegenseitig den Aufschlag, beim Stand von 5:5 ließ Schnaider zwei Breakbälle aus, im Tiebreak setzte sich Chwalinska 7:4 durch. Im zweiten Satz wiederholte sich das Muster, ehe die Polin entscheidend besser wurde und ihren ersten Matchball nutzte, wie der ORF in seinem Bericht schildert. Die als Nummer 25 gesetzte Schnaider verlor damit ihr erstes Grand-Slam-Halbfinale, nur einen Tag nachdem sie die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka im Viertelfinale aus dem Turnier geworfen hatte.
Chwalinskas Spiel ist das, was den Top-Spielerinnen den Rhythmus nimmt. Stopps, Slices, Lobs, variable Schläge in alle Ecken. Jakub Piter vom polnischen Tennisverband formuliert es in der Sportschau so: „Sie macht die anderen Spielerinnen verrückt mit ihrer Spielweise. Sie hassen Tennis, wenn sie gegen Maja spielen müssen, weil sie ihnen keinen Rhythmus gibt.“ Acht Siege in Folge hat die Linkshänderin in Paris jetzt geschafft, drei davon in der Qualifikation, fünf im Hauptfeld.
Ich weiß, ich wiederhole mich: Aber jedes einzelne Spiel hier ist verrückt für mich.
Vom Hotelproblem ins Finale
Die Geschichte hinter dem sportlichen Märchen ist hart. Chwalinska, geboren in Dabrowa Gornicza, 1,64 Meter groß, Weltranglistenposition 114, nahm 2021 nach einer Niederlage in der Wimbledon-Qualifikation eine viermonatige Auszeit wegen Depressionen - der Druck durch den rasanten Aufstieg ihrer Freundin und Jugend-Doppelpartnerin Iga Swiatek hatte sie eingeholt. In Paris musste sie nach dem Achtelfinaleinzug auf eine schnelle Preisgeld-Auszahlung hoffen, weil sie sich sonst eine weitere Hotelnacht nicht hätte leisten können. Das Halbfinale bringt ihr nun 750.000 Euro, das Finale mindestens 1,5 Millionen.
Im zweiten Halbfinale am Donnerstagnachmittag hatte sich zuvor Mirra Andrejewa souverän mit 6:1, 6:3 gegen die Ukrainerin Marta Kostjuk durchgesetzt. Die 19-jährige Russin, an Position acht der Weltrangliste geführt, profitierte von 34 unerzwungenen Fehlern der Gegnerin. „Ich bin immer noch sehr nervös, aber sehr glücklich mit der Art und Weise, wie ich heute gespielt habe“, sagte Andrejewa anschließend gegenüber der Sportschau. „So etwas habe ich noch nie gespürt.“ Für sie ist es der 35. Sieg in diesem Jahr - mehr als jede andere Spielerin auf der Tour.
Zwei Debütantinnen am Sonntag
Das Finale am Samstag ist damit ein Duell zweier Debütantinnen. Andrejewa wird zur ersten nach 2005 geborenen Spielerin in einem Major-Endspiel; Chwalinska zur ersten Qualifikantin in einem Roland-Garros-Finale überhaupt. Eine deutsche Beteiligung gibt es im Damen-Tableau nicht mehr, im Herren-Halbfinale spielt am Freitag Alexander Zverev gegen Jakub Mensik um den Einzug ins Endspiel. Sportschau und Eurosport übertragen live aus Paris.