Ein 13-jähriger Junge ist in der Nacht zum Montag im westspanischen Ciudad Rodrigo gestorben, als der zentrale Steinaufsatz des Árbol-Gordo-Brunnens unter dem Gewicht mehrerer Feiernder zusammenbrach. Der Junge feierte mit hunderten anderen Bewohnern der 12.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Salamanca den WM-Titel Spaniens, den die Selección wenige Stunden zuvor mit dem 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien im MetLife Stadium gewonnen hatte.

Kurz nach 00:33 Uhr Ortszeit gingen bei der Notrufzentrale 112 der Region Kastilien und León mehrere Anrufe ein. Wie die katalanische Zeitung La Vanguardia und die Al Jazeera-Redaktion berichten, war der obere Teil des Brunnens auf mehrere Menschen gestürzt, die im Wasserbecken standen. Drei weitere Personen wurden schwer verletzt, darunter ein Jugendlicher mit einem Beinbruch. Der 13-Jährige wurde ins Gesundheitszentrum von Ciudad Rodrigo gebracht, wo er später seinen Verletzungen erlag.

Was eine Feier zum WM-Sieg der spanischen Nationalmannschaft sein sollte, hat sich in eine Tragödie verwandelt.
- Stadtverwaltung Ciudad Rodrigo, Mitteilung vom 20. Juli

Der Árbol Gordo an der Glorieta im Stadtzentrum gilt seit Jahrzehnten als traditioneller Sammelpunkt nach spanischen Sporterfolgen. Zeugen berichteten den Rettungskräften, dass Fans auf das Monument geklettert waren, bevor die obere Konstruktion nachgab. Die Behörden ermitteln, ob die Überfüllung den Einsturz mitverursacht hat. Vor Ort waren die Ortspolizei, die Guardia Civil der Provinz Salamanca, die Feuerwehr sowie der medizinische Notdienst Sacyl im Einsatz; die regionale Krisenintervention aktivierte ein psychologisches Betreuungsteam für Angehörige und Augenzeugen.

Landesweit zwei Tote und mehr als 80 Verletzte

Die Stadtverwaltung von Ciudad Rodrigo ordnete eine dreitägige Trauer an. Bis Mittwoch, den 22. Juli, wehen die Flaggen am Rathaus auf halbmast. Der 13-Jährige sei „mit den Freunden und der Familie der ganzen Stadt verbunden“, teilte die Kommune mit. Über den Fall in Ciudad Rodrigo hinaus meldeten die spanischen Behörden nach Angaben von Euronews landesweit zwei Todesopfer und mehr als 80 Verletzte im Zusammenhang mit den WM-Feiern der Nacht - vor allem durch Stürze, Verkehrsunfälle und Rangeleien in Fußgängerzonen.

Weltmeister Spanien landete am Montagmittag auf dem Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas. Kapitän Rodri, der zuvor zum Spieler des Turniers ausgezeichnet worden war, trug den Pokal aus der Maschine. Regierungssitz, König Felipe und ein Empfang an der Puerta de Alcalá standen im Programm; Bürgermeisterin Almeida sprach zuvor von bis zu einer Million Menschen in der Innenstadt. In Ciudad Rodrigo dagegen sind Absperrgitter um den Árbol Gordo gezogen. Die Guardia Civil hat den Zugang bis auf Weiteres gesperrt.