Nigel Farage hat den Wahlkreis Clacton-on-Sea in der Nachwahl zurückerobert. Der Chef von Reform UK kam nach der offiziellen Auszählung in den frühen Morgenstunden am Freitag auf 22.239 Stimmen und damit auf 62,8 Prozent. Zweiter wurde der Satiriker Count Binface mit 9.455 Stimmen und 26,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung sank auf 44,4 Prozent, nach 58,7 Prozent bei der Unterhauswahl 2024. Wie wir am Donnerstagabend berichteten, hatte Farage die Nachwahl durch seinen Rücktritt Anfang Juli selbst ausgelöst.
Zum Auszählungsort im Clacton Leisure Centre kam der Sieger nicht. Ein Sprecher von Reform UK erklärte, die Polizei der Grafschaft Essex habe von einer Teilnahme abgeraten, es gebe eine „glaubwürdige Drohung“ gegen den Kandidaten. Essex Police widersprach noch in der Nacht: Man führe einen Einsatz „zur Gewährleistung der Sicherheit aller Teilnehmer“ durch, habe aber keinem Kandidaten von der Teilnahme abgeraten. Farage selbst begründete sein Fernbleiben laut ITV News damit, er werde sich nicht „von Nichtsen erniedrigen und demütigen lassen“.
Mehr Prozente, kaum mehr Stimmen
Farage feierte den Ausgang gegenüber Anhängern in Clacton als „überzeugenden, überwältigenden Sieg“. Absolut fällt der Zugewinn allerdings mager aus: Bei der Unterhauswahl 2024 hatte Farage 21.225 Stimmen erhalten, jetzt sind es 1.014 mehr. Der Sprung von 46,2 auf 62,8 Prozent ist vor allem eine Folge des Boykotts der Großparteien - Labour, Conservatives, Liberal Democrats und Greens verzichteten auf eigene Kandidaten, wie t-online und ZDFheute berichteten. Der Vorsprung auf Platz zwei wuchs von 8.405 Stimmen auf 12.784.
Count Binface, eine Kunstfigur des Kabarettisten Jonathan Harvey, war mit einem Programm angetreten, das ein Referendum zur Wiederaufnahme Plutos in die Reihe der Planeten und eine Preisdeckelung für Croissants vorsah. Bei einer Survation-Umfrage im Juli hatten ihn 20 Prozent unterstützt - am Ende wurden es sieben Punkte mehr. Der Satiriker verstand sich nach eigenen Worten als „Kandidat der Einheit“, dessen Aufgabe darin bestanden habe, „die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen“. Insgesamt standen 34 Namen auf dem Stimmzettel, der nach Angaben britischer Wahlbeobachter fast einen Meter lang war und den bisherigen Rekord von 26 Kandidaten bei der Nachwahl in Haltemprice and Howden 2008 klar übertraf.
Wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einem Mülleimer zu streiten, halte ich ihn nicht davon ab.
Rückkehr ins Unterhaus, offene Untersuchung
Mit dem Ergebnis kehrt Farage ins Unterhaus zurück, wo eine Untersuchung des parlamentarischen Standardsausschusses zur Spendenaffäre um den in Thailand ansässigen Krypto-Milliardär Christopher Harborne aussteht. Der Guardian hatte im April enthüllt, Farage habe von Harborne 5 Millionen Pfund als privates Geschenk erhalten und diese vor der Unterhauswahl 2024 nicht als Spende gemeldet. Reform UK erhielt zusätzlich rund 25 Millionen Pfund vom selben Geldgeber. Farage bezeichnet die Zahlung als privat und meldepflichtfrei.
Politisch verändert die Nachwahl das Kräfteverhältnis in Westminster kaum. Reform UK behält den Sitz, den Farage im Juli selbst aufgegeben hatte, verliert aber Momentum: Nach anderthalb Jahren an der Spitze der nationalen Umfragen ist die Partei laut Euronews seit Bekanntwerden der Finanzaffäre zurückgefallen. Der Politikwissenschaftler Will Jennings von der University of Southampton hatte vor der Wahl gegenüber Euronews betont, es scheine „unwahrscheinlich, dass die Nachwahl folgenreich für die britische Politik sein wird“ - die eigentliche Auseinandersetzung findet nun im Ausschuss statt.