Die Berliner Codeberg e.V. hat gemeinsam mit dem Forgejo-Projekt am 16. Juli die Version 16 ihrer Forge-Software veröffentlicht - jener Code-Hosting-Plattform, auf der der Verein seine GitHub-Alternative Codeberg.org betreibt. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der reihenweise bekannte Open-Source-Projekte ihre Repositorien von Microsofts GitHub abziehen und auf die Berliner Plattform umsiedeln.

Forgejo 16 bringt laut der Ankündigung des Projekts unter anderem feingranulare Benachrichtigungseinstellungen pro Repository, einen Fortschrittsbalken beim Import ganzer Projekte sowie die Möglichkeit, Kommentare im Code-Review über mehrere Zeilen hinweg zu setzen. Sicherheitsseitig folgt Git ab dieser Version bei Repository-Spiegeln keinen HTTP-Umleitungen mehr, damit interne Server nicht ungewollt angesprochen werden können. Da es sich um ein Non-LTS-Release handelt, endet der Support am 29. Oktober 2026.

Für Codeberg fällt der Release in ein bemerkenswertes Halbjahr. Im Februar hatte die Linux-Distribution Gentoo den Umzug angekündigt und dabei ausdrücklich auf Microsofts Copilot-Politik verwiesen. Als Grund nannten die Entwickler die anhaltenden Versuche, ihnen die Nutzung des KI-Assistenten in den eigenen Repositorien aufzudrängen, wie heise online berichtete. Im April folgte die Dokumentationsplattform BookStack, im Juni die Linux-Gaming-Werkzeuge des Luxtorpeda-Projekts. Die Programmiersprache Zig hatte GitHub schon Ende 2025 verlassen.

Codeberg ist inzwischen kein Nischenprojekt mehr. Nach dem letzten Mitgliederbrief des Vereins vom November 2025 zählt die Plattform mehr als 200.000 Nutzerkonten und über 300.000 Repositorien. Der Verein selbst hat 1.208 Mitglieder, darunter 786 Stimmberechtigte, 415 fördernde und 61 korporative Mitglieder. Erstmals wurde für die Legislaturperiode 2025 bis 2027 ein dreiköpfiger Vorstand aus drei europäischen Ländern gewählt - ein Signal zunehmender Internationalisierung, wie es in dem Schreiben heißt.

Nicht der volle Funktionsumfang von GitHub

Wer den Wechsel überlegt, sollte die Grenzen kennen. Codeberg biete zwar die zentralen Funktionen für Projektmanagement, Code-Review und CI/CD, verfüge aber nicht über das volle Angebot von GitHub oder GitLab, urteilte das iX-Magazin (Ausgabe 5/2026) in einer Bestandsaufnahme. Die zugrundeliegende Software Forgejo, die 2022 als Abspaltung von Gitea gestartet war, hat sich seither zu einer eigenständigen Code-Forge entwickelt und wird vom Berliner Verein maßgeblich mitgetragen.

Ob die Migrationswelle Bestand hat, hängt am Netzwerkeffekt: Solange die Mehrheit der Beitragenden auf GitHub aktiv ist, wandern Projekte oft nur zögerlich. Zusätzlichen Druck erzeugt Microsofts Abrechnungsmodell für Copilot, das seit dem 1. Juni auf Token-Basis läuft und laut IT-Blog Borncity bei Firmenkunden für teils drastische Kostensprünge sorgt. Für Codeberg wächst damit ein Argumentationsraum, der über technische Präferenzen hinausgeht.