Die im Juli 2025 wiedergegründete Commodore International hat am Dienstag in Dover (Delaware) ihr erstes komplett neu entwickeltes Produkt vorgestellt. Das Callback 8020 ist ein Klapphandy mit Linux-Betriebssystem, das Webbrowser und soziale Netzwerke nicht nur weglässt, sondern sie laut Hersteller auf Systemebene per DNS-Filter blockiert. Vorbestellungen sollen am 30. Juni um 10:00 Uhr deutscher Zeit über commodore.net starten, die Auslieferung ist für das vierte Quartal 2026 angekündigt.

Die Preise reichen von 499,99 Euro für die Grundmodelle BASIC Beige, ProtoPET Weiß und SX Silver über 549,99 Euro für die transparent-blaue Starlight-Edition bis zu 640 Euro für die vergoldete Founders Edition. Heise und t-online haben die Eurokonditionen aus dem deutschen Vorbestellungsformular am Dienstag bestätigt. Versendet wird laut Commodore auch in die EU, Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren weist das Unternehmen separat aus.

Sailfish OS statt Android, kein 5G

Auf dem 8020 läuft Sailfish OS des finnischen Anbieters Jolla, der zu großen Teilen aus ehemaligen Nokia-Ingenieuren besteht. Über eine Kompatibilitätsschicht laufen laut Commodore „über 99 Prozent“ der Android-Apps, ausdrücklich auch WhatsApp, Signal, Spotify, Google Maps und Uber. Browser, Social-Media-Anwendungen und E-Mail-Clients sind dagegen auf Systemebene gesperrt, neue Apps gehen durch eine Prüfung aus KI-Vorfilter und menschlichen Reviewern. Auf 5G verzichtet das Gerät bewusst.

Die Hardware bleibt im Mittelfeld: MediaTek Helio G81, vier Gigabyte RAM, 64 Gigabyte interner Speicher, erweiterbar per microSD bis 256 Gigabyte. Außen sitzt ein 1,77-Zoll-Display, innen ein 3,25-Zoll-Panel mit 480x640 Pixeln, das standardmäßig nicht auf Touch-Eingaben reagiert. Die Kamera nutzt einen 48-Megapixel-Sensor von Sony, der Akku ist mit 1.550 mAh ausgewiesen und vom Nutzer selbst wechselbar. Erhalten geblieben sind eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, ein FM-Radio und ein eigener Digital-Analog-Wandler für Audio.

YouTuber als CEO, alter Tramiel als Pate

Hinter dem Vorstoß steht Christian Simpson, in der Retro-Community besser bekannt als YouTuber Perifractic. Simpson hatte die Markenrechte an Commodore im Juli 2025 übernommen und nach eigenen Angaben rund 30.000 Einheiten einer Neuauflage des C64 ausgeliefert, bevor er die Marke nun in eine zweite Produktlinie zwingt. Auf der Vorstellung argumentierte Simpson, Commodore könne „nicht allein von Nostalgie überleben“, wie der britische Branchendienst Time Extension bereits Anfang Juni zitierte. Das 8020 ist Simpsons Versuch, der Marke neben dem Retro-Geschäft ein Produkt mit Gegenwartsbezug zu geben.

There are lots of people that need a complete, no-option break. Simplicity can be good.
- Leonard Tramiel, Sohn des Commodore-Gründers Jack Tramiel, gegenüber The Next Web

Die Verbindung zur Markenhistorie bleibt sichtbar: Die Klingeltöne stammen vom SID-Soundchip des Commodore 64, vorinstalliert sind Klassiker aus dem alten C64-Katalog. Tom's Hardware verweist auf fünf Gehäusefarben, die explizit Designs der Heimcomputer-Ära aufgreifen, von Beige bis zur transparenten Variante, die an die Atari-2600-Modder-Szene erinnert. Konkurrenz hat Commodore vor allem in Anbietern wie Light Phone oder Punkt - die jedoch radikaler abspecken. Das 8020 will laut Simpson kein „Dumbphone“ sein, sondern ein Smartphone, dem die Suchtschleifen herausoperiert wurden.

Ob das Geschäftsmodell trägt, hängt nicht nur am Preis, sondern auch an der Lieferung. Die ersten Käufer des C64 Ultimate hatten Anfang 2026 wochenlang auf ihre Geräte gewartet, nachdem Zollprobleme an mehreren EU-Grenzen die Auslieferung verzögerten. Für das Callback 8020 nennt Commodore bislang nur den allgemeinen Zeitraum Oktober bis Dezember. Wer am 30. Juni eine Vorbestellung aufgibt, zahlt die Hälfte des Preises sofort an, den Rest bei Versand - ein Modell, das in der deutschen Retro-Szene laut PC Games Hardware bislang ohne Beschwerden funktioniert hat.