Die deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin Cordula Trantow ist tot. Wie ihre Berliner Agentur Nicolai am Dienstag mitteilte, starb Trantow bereits am 12. August im Kreis ihrer Familie nach kurzer, schwerer Krankheit. Sie wurde 83 Jahre alt. Die Nachricht bestätigten am Wochenende unter anderem t-online, Web.de und die Fachzeitschrift Nachtkritik.
Bekannt wurde Trantow, geboren 1942 in Berlin, mit gerade 16 Jahren in Bernhard Wickis Antikriegsdrama „Die Brücke“ von 1959. An der Seite des damals 14-jährigen Volker Lechtenbrink spielte sie die Franziska und erhielt dafür das Filmband in Gold als beste Nachwuchsdarstellerin. Wickis Kammerspiel gilt bis heute als eines der prägenden Werke des deutschen Nachkriegsfilms.
Der Film hat mir alle Türen geöffnet und war ein Geschenk.
1962 folgte in der US-Produktion „Hitler“ die Rolle der Nichte des Diktators - Trantow wurde für einen Golden Globe nominiert. Eine internationale Karriere lehnte sie ab. „Das hat mir gar nichts bedeutet“, sagte sie später der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das offene Hollywood-Angebot. Statt Los Angeles wählte sie die Bühnen der Bundesrepublik: das Bayerische Staatsschauspiel in München, das Württembergische Staatstheater Stuttgart, die Münchner Kammerspiele und das Berliner Renaissance-Theater.
Vom Filmdebüt zur Festivalgründerin
Ihre Ehe mit dem Regisseur Rudolf Noelte prägte auch ihre Theaterarbeit. Unter seiner Regie spielte sie unter anderem die Nora in Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“ - eine Aufführung, an die sich der Dramatiker Botho Strauß später erinnerte. 1988 gründete Trantow den Weilheimer Theatersommer in Oberbayern, den sie ab 1990 selbst leitete; ab 2003 stand sie zusätzlich dem Südbayerischen Theaterfestival als Intendantin vor. 2000 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Einem breiten Fernsehpublikum blieb Trantow über Jahrzehnte in Krimiserien wie „Derrick“ und „Der Alte“ präsent, dazu in Reihen wie „Unser Walter“ und „Ein zauberhaftes Biest“. Ihre Agentur Nicolai hob in der Traueranzeige neben der klassischen Bühnenarbeit auch ihr „unverkennbares Gespür für die Komödie“ hervor, wie unter anderem die Südtirol News zitiert.
Dass die Nachricht erst gut drei Wochen nach dem Tod bekannt wurde, ist im Filmbetrieb nicht ungewöhnlich - Familie und Agentur wählten den Zeitpunkt bewusst nach dem Ende des Sommertheaters. Trantow hinterlässt ein Werk, das die Bundesrepublik von den Trümmerjahren bis in die Streaming-Ära begleitet hat. In einem späten Interview erzählte sie der dpa, sie treffe bis heute Männer, die behaupteten, sie sei ihr Teenager-Schwarm gewesen - darunter der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder.