Die Schauspielerin und Regisseurin Cordula Trantow ist tot. Wie ihre Berliner Agentur Nicolai am Montag mitteilte, starb Trantow bereits am 12. August im Kreise ihrer Familie nach kurzer, schwerer Krankheit. Sie wurde 83 Jahre alt. Mit ihr geht eine der letzten prägenden Darstellerinnen aus Bernhard Wickis „Die Brücke", jenem Anti-Kriegs-Film von 1959, der das junge Nachkriegskino der Bundesrepublik erschütterte.

In Wickis Schwarz-Weiß-Drama spielte Trantow als 16-Jährige die Franziska, das Nachbarsmädchen, das an der Seite des ein Jahr jüngeren Volker Lechtenbrink die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs miterlebt. Der Film folgt sieben Gymnasiasten, die kurz vor Kriegsende zur Wehrmacht eingezogen werden und eine militärisch bedeutungslose Brücke gegen anrückende US-Truppen verteidigen sollen. Für ihre Leistung erhielt Trantow das Filmband in Gold als beste Nachwuchsschauspielerin. Wenige Jahre später drehte sie in den Vereinigten Staaten den Film „Hitler", in dem sie die Nichte Adolf Hitlers verkörperte - eine Rolle, die 1962 mit einer Golden-Globe-Nominierung honoriert wurde.

Die Aussicht auf eine Hollywoodkarriere reizte Trantow nicht. „Das hat mir überhaupt nichts bedeutet", zitiert web.de aus einem späteren Interview. Stattdessen kehrte sie ans Theater zurück, wo sie über vier Jahrzehnte lang Ensemblemitglied und Gastschauspielerin blieb - am Bayerischen Staatsschauspiel in München, am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, an den Münchner Kammerspielen und am Freien Volkstheater Berlin.

Das hat mir überhaupt nichts bedeutet.
- Cordula Trantow über Hollywood, web.de

Am Berliner Renaissance-Theater übernahm Trantow die Titelrolle in Henrik Ibsens „Nora", inszeniert von Rudolf Noelte, mit dem sie von 1963 bis 1980 verheiratet war. Auch in Noeltes Kafka-Verfilmung „Das Schloss" aus dem Jahr 1968 stand sie vor der Kamera. Gastengagements führten sie an Häuser in Bonn, Neuss, Düsseldorf und Hamburg.

Regisseurin, Intendantin, Fernsehstar

In der zweiten Hälfte ihrer Karriere verlagerte Trantow den Schwerpunkt hinter die Bühne. 1988 gründete sie in Oberbayern den Weilheimer Theatersommer, ab 1990 führte sie dort selbst Regie. Von 2003 an leitete sie als Intendantin die Südbayrischen Theatertage. Vor der Kamera blieb sie einem breiten Publikum durch Rollen in „Derrick", „Der Alte" und „Unser Walter" vertraut, außerdem war sie als Hörbuchsprecherin gefragt. Im Jahr 2000 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Trantow wurde 1942 in Berlin geboren und lebte zuletzt in Bayern. Ursprünglich als Ballerina ausgebildet, kam sie über „Die Brücke" zum Film und fand danach ihre künstlerische Heimat auf der Bühne. Mit Fritz Wepper, der ebenfalls in Wickis Klassiker mitspielte und im März 2024 starb, verliert der Film binnen weniger Jahre zwei seiner zentralen Gesichter.