Die Bundesregierung will die Übernahme des Hamburger Spediteurs Konrad Zippel durch die chinesische Staatsreederei Cosco stoppen. Das berichtete das Handelsblatt am Dienstagabend unter Berufung auf Regierungskreise. Der Konzern aus Shanghai wollte 80 Prozent des Traditionsunternehmens mit rund 350 Beschäftigten kaufen. Berlin fürchtet nach Angaben der Zeitung „erhebliche Sicherheitsbedenken“ und warnt vor Abhängigkeiten, die als Druckmittel gegen Deutschland eingesetzt werden könnten.
Zippel wickelt einen erheblichen Teil des Hinterlandverkehrs an den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven ab. Die Spedition befördert Container per Bahn, Binnenschiff und Lkw ins Umland, eine Position, die dem chinesischen Staatskonzern nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden vertiefte Einblicke in kritische Lieferketten verschaffen würde.
„Kumulative Erwerbspläne“ der Chinesen
Der Deal war lange umstritten. Im Februar hatte das Bundeskartellamt die geplante Übernahme aus wettbewerbsrechtlicher Sicht durchgewinkt. Ende April meldete jedoch das Bundesamt für Verfassungsschutz Bedenken an. Die Sicherheitsbehörde warnt nach Handelsblatt-Informationen vor den „kumulativen Erwerbsplänen“ Coscos in Deutschland und der EU. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft die Transaktion seither in einem Investitionsprüfverfahren; ein Sprecher wollte sich zum Ausgang bislang nicht äußern und teilte lediglich mit, das Verfahren laufe noch.
Für Cosco wäre Zippel nicht der erste Zugriff am Hamburger Hafen. Seit 2023 hält der weltweit viertgrößte Container-Reeder bereits 24,99 Prozent am HHLA-Terminal Tollerort. Die damalige Ampel-Regierung hatte den Einstieg nach monatelangem Ringen nur unter der Bedingung gebilligt, dass die Sperrminorität von 25 Prozent nicht überschritten wird. Der jetzt gestoppte Deal hätte Cosco erstmals auch in der weiterführenden Logistik ins deutsche Netz gebracht, nicht nur an einer einzelnen Umschlagstelle.
Wir haben die Entscheidung der Bundesregierung zur Kenntnis genommen. Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert weiter.
Zippel selbst reagierte knapp auf die Berichte. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter, teilte die Reederei mit; Fragen zum weiteren Vorgehen verwies das Unternehmen an Cosco als Antragsteller. Der Konzern in Shanghai wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Die Blockade fügt sich in eine spürbar härtere Linie der Merz-Regierung gegenüber chinesischen Investoren in kritischer Infrastruktur ein. Kartellrechtliche Freigaben, so signalisiert das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) seit dem Frühjahr, sollen künftig nicht mehr allein den Ausschlag geben, wenn strategische Abhängigkeiten drohen. Die formale Untersagung des Zippel-Verkaufs muss noch im Kabinett beschlossen werden.