Der Anschlag auf den Berliner CSD hat am Sonntag bundesweit spontane Trauer- und Solidaritätskundgebungen ausgelöst. Neben der zentralen Trauerkundgebung am Brandenburger Tor, bei der bis zu 10.000 Menschen den Pariser Platz füllten, riefen queere Vereine in mindestens sieben weiteren Städten zu Mahnwachen auf. Für Montag sind Kundgebungen in Leipzig und Chemnitz angekündigt.
Den Auftakt machte am Nachmittag die CSD-Initiative Koblenz mit einer bei der Polizei angemeldeten Kundgebung auf dem Münzplatz zwischen 14 und 15 Uhr, wie die Rhein-Zeitung berichtet. Um 16 Uhr folgte der CSD Gütersloh; um 16.30 Uhr versammelten sich in Nürnberg Menschen auf dem Magnus-Hirschfeld-Platz. Die Bielefelder Organisationen BieQueer und BiePride wählten das Leineweber-Denkmal im Altstädter Kirchpark - Treffpunkt 17 Uhr, spontan einberufen aus Erschütterung über den Angriff.
Am Abend zogen Dresden und Bremen nach. Der CSD Dresden lud über Instagram für 20 Uhr in die Rosmaringasse hinter dem Kulturpalast; der Ort ist im queeren Gedächtnis der Stadt bereits belegt, seit dort im Oktober 2020 ein Islamist ein schwules Paar mit einem Messer attackierte - ein Mann starb. Zwischen den Blumen an der Gedenktafel sprach Ronald Zenker, Vorsitzender des CSD Dresden. Er hatte selbst am Vorabend im Berliner Tiergarten gestanden.
Nur Minuten bevor der Bereich rund um das Brandenburger Tor komplett geräumt wurde, saß ich noch im Gästebereich des CSD Berlin.
Rund 40 Dresdner Community-Mitglieder waren nach Vereinsangaben am Samstag in Berlin - alle blieben körperlich unversehrt. In Bremen versammelten sich Menschen auf dem Marktplatz, um an die Opfer zu erinnern und gegen Hass und Extremismus ein Zeichen zu setzen. Die Organisatorinnen des Bremer CSD, der am 22. August stattfinden soll, veröffentlichten auf Instagram eine Solidaritätsbotschaft. Radio Bremen zitierte am Sonntag eine SPD-Landespolitikerin, die den Anschlag als „fassungslos machend“ beschrieb - der CSD stehe dafür, dass alle so sein dürften, wie sie wollten.
Von Berlin über Duisburg bis in die kommende Woche
In Duisburg riefen Initiativen zu einer Kundgebung am Rathaus auf und baten die Teilnehmer, Kerzen mitzubringen. Am Berliner Brandenburger Tor musste der Zugang zwischenzeitlich gesperrt werden - die Kapazität des Pariser Platzes war ausgeschöpft. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der CSD-Veranstalter hatte am Nachmittag zur Teilnahme an lokalen Gedenkveranstaltungen aufgerufen. Für Montagabend sind Mahnwachen in Leipzig auf dem Markt und in Chemnitz am Roten Turm geplant.
Parallel zu den Kundgebungen weiteten die Sicherheitsbehörden ihren Zugriff aus: In Berlin-Spandau erschoss ein SEK am Abend den Tatverdächtigen Abdul Ballout in einer Kleingartenanlage. Der Generalbundesanwalt hatte die Ermittlungen zuvor an sich gezogen. Die Kundgebungen in vielen Städten liefen zu diesem Zeitpunkt noch.