Rund 22 Stunden nach der tödlichen Fahrt in die CSD-Menge am Tiergarten ist der Tatverdächtige Abdul Ballout tot. Ein Spezialeinsatzkommando der Berliner Polizei erschoss den 21-Jährigen am Sonntagabend gegen 18 Uhr in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, sei Ballout beim Zugriff mit einer Stichwaffe auf die Beamten zugelaufen.
Aufgespürt wurde der Flüchtige in der Anlage Burgwallschanze an der Ruhlebener Straße. Der Zeuge, der ihn dort erstmals bemerkte, ist Carsten Barthel, 56, Vorsitzender des Kleingartenvereins. Gegenüber t-online schilderte Barthel, er habe gegen 14 Uhr auf Parzelle 46 einen Mann mit Kopfhörern gesehen, der nicht der eingetragene Pächter war. Wenige Stunden später positionierten sich zivile Kräfte am Straßenrand, gegen 18 Uhr rückte das SEK schwerbewaffnet an.
Der Zugriff dauerte nur Minuten. Ballout rannte laut Polizeiangaben „mit einer Stichwaffe“ auf die Einsatzkräfte zu, das SEK eröffnete das Feuer. Rettungskräfte versuchten die Reanimation am Ort - Ballout starb in der Parzelle. Zur Zahl der Schüsse äußerte sich eine Polizeisprecherin nicht.
Mir fehlen die Worte.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte den laufenden Einsatz um 19.17 Uhr im ZDF, ohne die Identität zunächst offiziell zu nennen. Um 19.34 Uhr meldete die Berliner Polizei über ihre Kanäle, dass Ballout tot sei. Kurz darauf würdigte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im ZDF-Interview die Fahndungsarbeit als „großen Erfolg“ - äußerte aber scharfe Kritik an der Justiz. Ballout war im Mai zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, obwohl er einschlägig vorbestraft war und in einem Deradikalisierungskurs auffällig geworden sein soll. Dobrindt hatte am Nachmittag bereits erklärt, eine Haftstrafe wäre angesichts der Terrorbezüge „sinnvoll“ gewesen.
Karlsruhe ermittelt weiter, zweiter Täter noch möglich
Für die Aufklärung bleibt der Tod Ballouts kein Endpunkt. Der Generalbundesanwalt hatte am Sonntagnachmittag den Fall an sich gezogen; Bundesjustizministerin Sabine Hubig (SPD) begründete das mit dem Verdacht eines islamistisch motivierten Anschlags. Die Karlsruher Ankläger prüfen weiter, ob ein zweiter Beteiligter existiert - Dobrindt hatte diese Möglichkeit am Vormittag im Tiergarten offen benannt. Ballout, so t-online und Tagesspiegel übereinstimmend, war den Sicherheitsbehörden als IS-Sympathisant bekannt.
Am Brandenburger Tor waren zeitgleich Tausende zur Trauerkundgebung zusammengekommen; in der Marienkirche hatten am Nachmittag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bischof Christian Stäblein und Imamin Seyran Ates gesprochen. Der Regierende Bürgermeister kündigte am späten Abend eine Reihe organisatorischer Konsequenzen an. Details werde er in den kommenden Tagen vorlegen.