Die Berliner Polizei hat am Sonntagmorgen ein Foto des mutmaßlichen Täters vom Anschlag auf den Christopher Street Day veröffentlicht. Gesucht wird ein 21-Jähriger, den die Ermittler als Abdul B. identifiziert haben. Wie der Tagesspiegel in seinem Liveblog berichtet, ist der Mann rund 1,90 Meter groß, schlank, hat schwarze Haare und trug bei der Tat einen schwarzen Kapuzenpullover und eine weiße Hose. Die Polizei warnt, der Verdächtige könnte bewaffnet sein, und bittet, ihn nicht selbst anzusprechen.
Wie wir in der Nacht berichteten, war der Transporter am Samstag gegen 22 Uhr am Rande der Abschlusskundgebung im Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau starb am Tatort, 16 weitere Menschen wurden verletzt, drei davon lebensgefährlich, acht schwer, fünf leicht. Rund 30 Betroffene wurden nach Angaben der Feuerwehr psychologisch betreut.
SEK-Zugriff an der Bissingzeile ohne Festnahme
Um 1.10 Uhr am Sonntag durchsuchten Spezialkräfte eine Wohnung an der Bissingzeile im Grenzbereich zwischen Tiergarten und Schöneberg, die auf den Verdächtigen gemeldet war. Der Zugriff blieb ohne Erfolg. „Es wurde keine Person angetroffen“, zitierte das ZDF Polizeisprecher Florian Nath. Die Wohnung sei versiegelt und werde als Beweismittel gesichert. Seit Samstagmorgen seien in Berlin mehr als 2.200 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, darunter schwer bewaffnete und zivil verkleidete Kräfte.
Nach Recherchen des Tagesspiegels war Abdul B. den Behörden bereits bekannt. Der 21-Jährige sei im Mai 2026 aus einer Jugendstrafe entlassen worden und dem islamistischen Milieu in Berlin zuzurechnen. Die Ermittler prüfen laut t-online noch, ob der Verdächtige den weißen Transporter selbst fuhr oder ihn nur angemietet hatte, und ob er allein oder mit weiteren Personen unterwegs war. Mehrere Opfer wiesen neben Sturzverletzungen auch Stichwunden auf.
Es ist ein Angriff auf unsere freie, offene Gesellschaft.
Mahnwache am Brandenburger Tor
Am Sonntagnachmittag wollen Politik und Zivilgesellschaft am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor eine Mahnwache abhalten. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach in einer Mitteilung von einem „Angriff auf unsere freie, offene Gesellschaft“. Kanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die Tat auf X als „abscheulich“ und kündigte an, mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) den Fall „mit besonderem Nachdruck“ verfolgen zu wollen. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) brach ihren Urlaub ab und kehrte in die Hauptstadt zurück.
Der Berliner Queer-Beauftragte Alfonso Pantisano sprach von einem „großen Trauertag“ für die queere Community. Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, reagierte laut Erzbistum mit den Worten: „Wie schrecklich! Eine so freudige und bewegende Feier so brutal zu zerstören.“ In den Gottesdiensten am Sonntag werde für die Betroffenen und ein friedliches Zusammenleben gebetet. „Der Hass darf nicht siegen“, so Koch.
Zeugen können sich unter der Telefonnummer 030 54024111 melden oder über das anonyme Hinweisportal be.hinweisportal.de Angaben machen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Verdachts eines Terroranschlags übernommen. Die Bundesanwaltschaft prüft eine Übernahme.