Wenn am Donnerstagabend das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt mit der Partie Mexiko gegen Südafrika die WM 2026 eröffnet, steht der erste Gegner der deutschen Mannschaft bereits in den Startlöchern. Drei Tage später, am Sonntag um 19 Uhr MESZ, empfängt das NRG Stadium in Houston die DFB-Elf gegen Curacao - den kleinsten WM-Teilnehmer der Geschichte.

Curacao bringt das Außergewöhnliche zur Endrunde. Die Insel im Königreich der Niederlande hat 158.000 Einwohner und misst 444 Quadratkilometer, weniger als manche deutsche Mittelstadt. Trainiert wird die Mannschaft von Dick Advocaat, der mit 78 Jahren der älteste Trainer wird, der je eine WM-Endrunde geleitet hat. Es ist seine dritte WM als Cheftrainer nach den Niederlanden 1994 und Südkorea 2006.

Sportlich hat sich Curacao das Ticket nach Nordamerika ohne Niederlage in der CONCACAF-Qualifikation gesichert. Möglich macht das ein Kader, der überwiegend in den Niederlanden geboren und ausgebildet wurde - die Spieler haben familiäre Wurzeln auf der Insel und entscheiden sich später für das Nationaltrikot. Mehrere haben Bundesliga-Stationen hinter sich: Stürmer Jürgen Locadia stand bei der TSG Hoffenheim und beim VfL Bochum unter Vertrag, Verteidiger Joshua Brenet ebenfalls in Hoffenheim, Mittelfeldspieler Riechedly Bazoer beim VfL Wolfsburg.

Advocaats Wandlung vom „Kleinen General“

Beim Trainingslager im niederländischen Noordwijk und mittlerweile im Quartier in Boca Raton an der Atlantikküste Floridas tritt Advocaat untypisch auf. Der Coach, der über vier Jahrzehnte seinem Ruf als „Kleiner General“ entsprach, lässt diesmal während der Einheiten Musik laufen und verlegt Trainingsabschnitte auch mal an den Strand. „Ich verstehe die Kritik nicht. Der Verband hat mich gefragt, ob ich zurückkehren wolle. Ich habe den Verband nicht gefragt“, sagte Advocaat niederländischen Medien zu seiner Rückkehr aus dem Ruhestand.

Den Respekt vor Deutschland formuliert er ohne Umschweife. „Deutschland ist natürlich klarer Favorit in der Gruppe. Sie sind noch immer ein großes Fußballland“, sagte der Niederländer der Sportschau. Auf die Frage nach seinen Turnierfavoriten zählt er Julian Nagelsmanns Mannschaft neben Spanien, Frankreich und den Niederlanden zu seinem Quartett der heißesten Titelkandidaten.

Du musst ohnehin gegen sie spielen, und da kannst du besser gleich am Anfang gegen sie spielen.
- Dick Advocaat, gegenüber der Sportschau

Aus Spielersicht passt die Tonlage. Torhüter Eloy Room beschreibt die Rolle der Mannschaft mit dem Satz, manchmal helfe es, der Underdog zu sein. Kapitän Leandro Bacuna - sein Bruder Juninho gehört ebenfalls zum Kader - hat gegenüber Bundesliga.com die Marschrichtung vorgegeben: Nach der historischen WM-Qualifikation sei das nächste Ziel die Achtelfinalrunde. Im letzten Test vor dem Aufbruch gewann Curacao gegen Aruba 4:0, allerdings erst nach der Pause durch Treffer von Brenet, Antonisse, Comenencia und Juninho Bacuna.

Für Deutschland geht es in der Gruppe E nach Curacao gegen die Elfenbeinküste und Ecuador weiter, bevor im Achtelfinale ein Gegner aus einer Cross-Gruppe wartet. Die DFB-Elf gilt als klarer Favorit auf den Gruppensieg. Anstoß ist am Sonntag, dem 14. Juni, um 19 Uhr MESZ - live in der ARD, parallel auf MagentaTV.