Im normannischen Küstenort Langrune-sur-Mer haben am Samstag rund 400 geladene Gäste des 82. Jahrestags der alliierten Landung in der Normandie gedacht. An der internationalen Zeremonie nahmen Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu, der britische Verteidigungsminister John Healey und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth teil, wie unter anderem Euronews und die französische Tageszeitung Connexion France berichten. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand der Auftritt Hegseths, der die Feier politisch überlagerte.

Hegseth nutzte seine Rede am Denkmal des 48. Royal Marine Commando für eine geopolitische Botschaft. „Heute werden andere europäische Strände von anderen, gefährlichen Ideologien gestürmt“, sagte der Pentagon-Chef nach Wiedergabe von Euronews und U.S. News, eine offenkundige Anspielung auf Migration. Wann die europäischen Hauptstädte gegen diese „Invasion“ vorgehen würden, fragte Hegseth weiter. Europa müsse zudem „bei der konventionellen Verteidigung selbst die Hauptlast tragen“, erklärte er. Frankreich solle dieser Realität „mit konkreten Fortschritten“ begegnen. Die Äußerungen fielen wenige Wochen vor dem geplanten Nato-Gipfel in Ankara und parallel zu Ankündigungen Washingtons, US-Truppen in Europa zu reduzieren.

Frankreichs Streitkräfteministerin Catherine Vautrin reagierte zurückhaltend und verwies darauf, dass Paris bereits einen Wiederaufrüstungskurs eingeleitet habe. Premier Lecornu hatte zuvor im benachbarten Ouistreham 177 Familien französischer Kommandos aus der Einheit von Capitaine Philippe Kieffer Diplome und die traditionellen grünen Baskenmützen überreicht. Die offizielle Tageschronik begann um 13 Uhr Ortszeit am Sword Beach, die internationale Zeremonie folgte um 16.30 Uhr in Langrune-sur-Mer.

Bürgerinitiative wollte Hegseth ausladen

Bereits vor der Zeremonie hatte die Bürgerinitiative Langrune en Commun zum Boykott des Hegseth-Besuchs aufgerufen. „Diese Person vertritt Werte, die der Demokratie, den Menschenrechten und dem Frieden zuwiderlaufen“, hieß es in einer Erklärung der Gruppe, die Connexion France dokumentierte. Hegseths „antieuropäische Äußerungen“ und seine als rechtsextrem gewerteten Tätowierungen mit Jerusalem-Kreuz seien mit der Würde der Feier unvereinbar. Der stellvertretende Bürgermeister François-Xavier Palao mahnte hingegen, „politische Erwägungen beiseite zu lassen“ - die Feier sei „in erster Linie ein Gedenken für die Veteranen“, zitiert ihn Connexion France. Aus Sicherheitsgründen blieb der Ort am Samstag für den Verkehr gesperrt, die Zeremonie selbst war Anwohnern nicht zugänglich; eine behördlich genehmigte Drohnenstörung sicherte den Luftraum.

Diese Person vertritt Werte, die der Demokratie, den Menschenrechten und dem Frieden zuwiderlaufen.
- Bürgerinitiative Langrune en Commun, zitiert von Connexion France

Hinter dem politischen Lärm rückte der schmale Kreis noch lebender Augenzeugen in den Vordergrund. Nach Angaben der britischen Best Defense Foundation und britischer Veteranenverbände reisten 14 britische und 25 US-amerikanische Veteranen zu den Feierlichkeiten an, alle 100 Jahre alt oder älter. Unter ihnen der ehemalige Royal-Navy-Signalgast Henry Rice, der 1944 als 18-Jähriger an Bord der HMS Eastway den Übergang gesichert hatte. Bereits zum 81. Jahrestag hatte das ZDF dokumentiert, dass nur noch eine Handvoll Teilnehmer der Operation Overlord lebt. Der 82. Jahrestag wird in der Normandie als eine der letzten Gelegenheiten beschrieben, die Augenzeugen persönlich zu hören.

Im Mittelpunkt steht damit zunehmend die institutionelle Erinnerungsarbeit: der amerikanische Soldatenfriedhof von Colleville-sur-Mer, die Gedenkstätten in Bayeux und im US-Bundesstaat Virginia sowie das D-Day-Festival, das Frankreich vom 30. Mai bis zum 14. Juni entlang aller Landungsstrände ausrichtet. Die Operation Overlord war mit rund 156.000 alliierten Soldaten am Morgen des 6. Juni 1944 die größte amphibische Landung der Militärgeschichte und markierte den Beginn der Befreiung Westeuropas vom Nationalsozialismus.