Am 16. Juni 1976 saß zum ersten Mal eine Frau im Sprecherstudio der ARD-Tagesschau. Dagmar Berghoff las an diesem Mittwoch um 16 Uhr die Nachrichten - 50 Jahre später wird das Datum quer durch die deutschen Medien als Markstein erinnert. Zwei Tage darauf moderierte sie auch die 20-Uhr-Hauptausgabe und beendete damit ein Männermonopol, das die Sendung seit ihrem Start 1952 gehabt hatte.

Die erste Nachrichtensprecherin des westdeutschen Fernsehens war Berghoff nicht. Diese Rolle hatte Wibke Bruhns 1971 bei der ZDF-Sendung „heute“ übernommen. Doch die Tagesschau galt als das ranghöchste Nachrichtenformat der Republik, und ihre Sprecherbank war fest in Männerhand. „Die Sendung war vor Berghoffs Einstand fest in Männerhand“, schreibt das Branchenportal Newsroom in seiner Würdigung. Die Rheinpfalz nennt Berghoff in einer Aufarbeitung am Vortag des Jubiläums die „Eisbrecherin“ der ARD-Nachrichten.

Vor genau 50 Jahren hat Dagmar Berghoff als erste Frau durch die ‚Tagesschau' geführt.
- Tim Gieselmann, Newsroom

Vom Hörfunk in die Hauptausgabe

Berghoff, geboren am 25. Januar 1943 in Berlin, hatte ihren Weg in die Tagesschau über die Hamburger Hochschule für Musik und Theater und das Hörfunkstudio des Südwestfunks Baden-Baden genommen, wo sie von 1967 bis 1976 als Sprecherin und Moderatorin arbeitete. Auf dem Tagesschau-Stuhl blieb sie 23 Jahre, ab 1995 als Chefsprecherin, und führte die Nation Abend für Abend mit dem Gruß „Guten Abend, meine Damen und Herren“ durch die Sendung. Ihre letzte Ausgabe moderierte sie an Silvester 1999, kurz bevor die ARD den Wechsel ins neue Jahrtausend probte.

Nach Berghoff übernahmen Eva Herman, Susan Stahnke, Linda Zervakis und Susanne Daubner die Tagesschau. Sprecherinnen, deren Auftritt heute niemand mehr kommentiert. Die Tagesschau bleibt im Ersten das reichweitenstärkste deutsche Nachrichtenformat, ihre Sprecherbank ist paritätisch besetzt. Ein Detail aus Berghoffs Karriere, das jahrzehntelang öffentlich unbemerkt blieb - eine angeborene Ektrodaktylie an der linken Hand, von der sie selbst erst in ihrer 1999 erschienenen Autobiografie „Zeit für mehr“ berichtete -, taucht in den aktuellen Jubiläumsbeiträgen als Randnotiz auf. Das Datum trägt diese Geschichte mit.