Zlatko Dalić ist als Trainer der kroatischen Nationalmannschaft zurückgetreten. Sechs Tage nach dem 1:2 im Achtelfinale gegen Portugal in Toronto verkündete der 59-Jährige am Mittwoch das Ende seiner fast neunjährigen Amtszeit. „Die Rolle des Nationaltrainers verlangt viele schwere Entscheidungen, aber diese war zweifellos die schwerste für mich“, sagte Dalić laut Mitteilung des kroatischen Verbandes HNS.
Dalić hatte die Nationalmannschaft im Oktober 2017 mitten in einer krisenhaften WM-Qualifikation übernommen und in 111 Länderspielen betreut. Unter seiner Regie erreichte Kroatien 2018 in Russland das WM-Finale gegen Frankreich, holte 2022 in Katar Bronze und stand 2023 im Endspiel der Nations League gegen Spanien - drei Medaillen bei drei großen Turnieren in Folge. Beim WM-Aus in den USA reichte es hingegen nicht mehr: Cristiano Ronaldos Portugal beendete das Turnier für die Kroaten am 2. Juli mit einem späten Treffer von Diogo Jota.
So sehr ich weiter Ehrgeiz und Lust verspüre, neue Erfolge mit Kroatien zu feiern, so sehr spüre ich, dass jetzt der richtige Moment ist, diese unglaubliche Ära zu beenden.
HNS-Präsident Marijan Kustić würdigte den scheidenden Trainer mit ungewöhnlicher Deutlichkeit. „Ich weiß, wie viel ihm das kroatische Trikot bedeutet hat. Deshalb weiß ich, dass diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist“, teilte Kustić mit. Dalić werde „für immer Teil der kroatischen Fußballfamilie bleiben“ und sei „zweifellos der erfolgreichste und größte Trainer, den wir je hatten“. Auf der Plattform X fasste der Verband die Amtszeit in drei Sätzen zusammen: „Eine bescheidene Ankunft. Eine unvergessliche Reise. Ein stolzer Abschied.“
Bilić als Favorit auf die Nachfolge
Wer die kroatische Auswahl in die EM-Qualifikation und Richtung WM 2030 führt, ist offen. Als Favorit gilt nach übereinstimmenden Berichten der Zeitungen 24sata und Jutarnji list der frühere Nationaltrainer Slaven Bilić. Der 57-Jährige stand von 2006 bis 2012 an der Seitenlinie und ist seit dem Ende seines Engagements beim saudischen Klub Al-Fateh im Sommer 2024 vereinslos. Auch Weltmeister-Assistent Ivica Olić und Ex-Nationalspieler Igor Bišćan werden von kroatischen Medien als mögliche Kandidaten genannt.
Ungeklärt ist zudem, wie viele der Turnierstammspieler dem Team erhalten bleiben. Kapitän Luka Modrić spielt mit 40 Jahren inzwischen für den AC Mailand, Andrej Kramarić (35) und Mateo Kovačić (32) hatten sich vor dem Turnier zu ihrer Zukunft bedeckt gehalten, Ivan Perišić (37) ließ am Rande des Portugal-Spiels laut Sportske novosti offen, ob er noch einmal für Kroatien auflaufen werde. Eurosport berichtete zuletzt, Dalić selbst habe vor dem Turnier ein millionenschweres Angebot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vorliegen gehabt - der Rücktritt in Zagreb dürfte in Abu Dhabi mit einigem Interesse registriert worden sein.