Das ZDF hat den Rapper Danger Dan und den Pianisten Igor Levit kurz vor der Aufzeichnung aus der 100. Ausgabe der Satiresendung „Die Anstalt“ ausgeladen. Ihr gemeinsamer Song „Keine Angst“ könne „als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“ und stehe damit im Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders, teilte das ZDF am Freitag über den Leiter der Hauptredaktion Show, Oliver Heidemann, mit. Die Jubiläumsausgabe soll am kommenden Dienstag um 22.15 Uhr laufen - der siebeneinhalbminütige Auftritt der beiden wäre ihr musikalisches Herzstück gewesen.

Heidemann verteidigte den Schritt gegenüber der Redaktion. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, Danger Dan aus der Anstalt wieder auszuladen. Aber das Lied kann als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“, sagte er. Ein solcher Aufruf stehe „im Gegensatz zu unseren Programmrichtlinien“. Die interne Prüfung habe die Rechtsabteilung des Senders einbezogen; ein Gesprächsangebot an Danger Dan sei „bislang unbeantwortet“ geblieben.

„Autoritärer Akt“: Levit und Danger Dan wehren sich

Levit und Danger Dan machten den Konflikt am Donnerstagabend über den Tagesspiegel öffentlich. „Ganz kurz vor der Aufzeichnung hat allerdings die ZDF-Intendanz ihr Veto gegen unseren Auftritt eingelegt“, schrieben die beiden in einer gemeinsamen Erklärung. Eine offizielle schriftliche Begründung habe man „bislang nicht erhalten“. Der Songtext sei dem Sender seit Wochen bekannt gewesen; ein Justiziar des ZDF habe ihn vorab freigegeben, was der Sender allerdings bestreitet.

Das erschüttert uns, und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.
- Igor Levit und Danger Dan, gemeinsame Erklärung im Tagesspiegel

„Keine Angst“ ist als Widerstandslied gegen den Rechtsextremismus konzipiert und enthält eine Widmung an die inhaftierte nichtbinäre Person Maja T., die nach Ungarn ausgeliefert und dort zu acht Jahren Haft verurteilt worden war. Der Text beschreibt Formen antifaschistischer Selbstorganisation - verschlüsselte Kommunikation, Recherche über rechte Strukturen, öffentliche Benennung. Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz und Mitglied der Antilopen Gang, reagierte auf Instagram knapp: „Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen.“

Aspekte-Sondersendung, „Anstalt“ distanziert sich

Auf den Druck von außen reagierte das ZDF am Samstagabend mit einer Sonderausgabe des Kulturmagazins „Aspekte“ um 23.35 Uhr, in der Levit und Danger Dan das Thema „Widerstand gegen Rechtsextremismus“ ausführlich diskutieren konnten. Das Ensemble von „Die Anstalt“ hatte sich zuvor auf Instagram von der Ausladung distanziert; die Produktion kündigte an, den Vorgang in der Jubiläumsausgabe am Dienstag „kritisch“ zu behandeln. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach nach Berichten des Tagesspiegels von einem „schweren Eingriff in die Redaktionsfreiheit“.

Damit wächst die Debatte über eine Sendung hinaus, die es noch gar nicht gab. Der Song erscheint nach Ankündigung der Künstler in der Nacht zum Freitag regulär auf Streamingplattformen; eine gemeinsame Bühnen-Premiere von Levit und Danger Dan ist in Berlin angekündigt. Für das ZDF beginnt am Dienstag mit der 100. Folge der „Anstalt“ eine ungemütliche Sitzung - die satirische Aufarbeitung der eigenen Ausladung inklusive.