Das Landgericht Verden hat die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette am Mittwoch zu 13 Jahren Haft verurteilt. Die 67-Jährige ist nach Überzeugung der 4. Großen Strafkammer an acht bewaffneten Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zwischen 1999 und 2016 beteiligt gewesen. Mehr als zwei Millionen Euro hatten die mutmaßlichen Täter dabei erbeutet, das Geld floss laut Anklage in das Leben im Untergrund. Den Vorwurf des versuchten Mordes bei einem Überfall am 6. Juni 2015 in Stuhr bei Bremen, bei dem Schüsse fielen, wies das Gericht zurück.

Die Bundesanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert. Verurteilt wurde Klette wegen schweren Raubes, räuberischer Erpressung, versuchter räuberischer Erpressung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Tragend für die Beweisführung waren nach Darstellung des Handelsblatts Reste von Kleintierstreu, die Ermittler sowohl in Klettes Wohnung als auch in mehreren der Fluchtfahrzeuge fanden - ein Hund lebte bei ihr, ein Nagetier nicht. „Die einzelnen Indizien hätten für eine Verurteilung allein nicht gereicht“, zitiert das Blatt die Vorsitzende Richterin sinngemäß, „in der Gesamtschau aber sei das Bild eindeutig.“ In Klettes Berliner Wohnung hatten Ermittler zudem Skizzen der Tatorte, Tatwaffen, Zeitungsartikel zu den Überfällen, Kennzeichen, Perücken und Handschellen sichergestellt.

Das Gericht hat zahlreiche Beweisanträge zu Unrecht abgelehnt.
- Lukas Theune, Verteidiger, laut Handelsblatt

Tumult im Saal, Revision im Saal

Klette selbst zeigte sich nach Darstellung mehrerer Berichterstatter wenig beeindruckt. Ihre Unterstützer im Zuschauerraum riefen „Freiheit für Daniela“ und reckten die Fäuste, einige wurden von Justizwachtmeistern aus dem Saal geführt. Buten un binnen schätzt die Zahl der unterstützenden Zuschauer auf rund 50. Verteidiger Lukas Theune kündigte die Revision unmittelbar im Sitzungssaal an und warf der Kammer vor, „zahlreiche Beweisanträge zu Unrecht abgelehnt“ zu haben. Die Verteidigung hatte im Verfahren argumentiert, es gebe keine Beweise für eine Tatbeteiligung Klettes an den Überfällen; sie räumte lediglich Waffenverstöße ein, die sich aus den in der Wohnung gefundenen Schusswaffen und Munition ableiteten.

Klette war im Februar 2024 in einer Wohnung im Berliner Bezirk Kreuzberg festgenommen worden, nach mehr als drei Jahrzehnten im Untergrund. Ihre mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, mit denen sie nach Überzeugung des Gerichts die Überfälle beging, sind weiter flüchtig. Beide stammen wie Klette aus der dritten RAF-Generation.

Frankfurter Verfahren steht aus

Mit dem Verdener Urteil ist die juristische Aufarbeitung um Klette nicht abgeschlossen. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main läuft ein weiteres Verfahren wegen mutmaßlicher Beteiligung an drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993; der Generalbundesanwalt wirft ihr unter anderem den Sprengstoffanschlag auf die JVA-Baustelle Weiterstadt 1993 und den Anschlag auf die US-Botschaft in Bonn-Bad Godesberg 1991 vor. Eine Mitgliedschaft in der RAF selbst kann nicht mehr verfolgt werden, sie ist verjährt. Wann der Staatsschutzsenat in Frankfurt über eine Hauptverhandlung entscheidet, ist offen. Bis zur Rechtskraft des Verdener Urteils bleibt Klette in Untersuchungshaft.