In Bulgarien kannte man den Namen Dara längst, in den meisten anderen europäischen Ländern erst seit Samstagabend. Wie wir am Wochenende berichteten, gewann die Sängerin in der Wiener Stadthalle mit dem Titel „Bangaranga“ und 516 Punkten den 70. Eurovision Song Contest - den ersten ESC-Sieg für Bulgarien überhaupt, ausgerechnet bei der Rückkehr des Landes in den Wettbewerb. Zwei Tage später gehört ihre deutschsprachige Wikipedia-Seite zu den meistabgerufenen, deutschsprachige Medien von t-online bis zum ORF arbeiten an „Wer ist Dara?“-Stücken.
Hinter dem Künstlernamen steht Darina Nikolaeva Yotova, 1998 in der Schwarzmeerstadt Varna geboren, wie das ESC-Magazin von Joyn berichtet. In ihrer Heimat ist die 27-Jährige kein Newcomer, sondern ein etablierter Popstar. Entdeckt wurde sie 2015 bei der bulgarischen Ausgabe der Castingshow X Factor, in deren Jury die deutsch-bulgarische Sängerin Lucy Diakovska von den No Angels saß; mit 16 erreichte Dara dort einen der vorderen Plätze.
Ihre erste Single veröffentlichte sie 2016, sie führte umgehend die bulgarischen Charts an. 2018 wurde sie bei den BG Radio Music Awards als beste Sängerin ausgezeichnet, 2021 jüngstes Jurymitglied in der Geschichte von „The Voice of Bulgaria“, 2024 trat sie bei „Dancing Stars“ an. Insgesamt kommt sie laut weekend.at auf rund 15 Nummer-eins-Hits und mehr als 80 Millionen Streams und Videoaufrufe. Ihr Album „ADHDARA“ aus dem Jahr 2025 verarbeitet das Leben mit ADHS und das Ringen um Selbstakzeptanz.
Was „Bangaranga“ bedeutet
Der Siegertitel trägt einen Begriff, der nicht aus dem Bulgarischen stammt: „Bangaranga“ ist laut dem Joyn-Magazin jamaikanischer Slang und steht sinngemäß für Aufruhr, Aufstand oder Chaos. Dara selbst deutet ihn positiver. Gegenüber dem australischen Branchenportal Aussievision erklärte sie, der Song handle davon, die innere Stärke zu entdecken, die jeder Mensch in sich trage - so gibt es das Joyn-Magazin wieder.
Den Weg auf die ESC-Bühne beschreibt Dara als alles andere als geradlinig. Vor dem Wettbewerb habe sie eine Panikattacke gehabt und die Teilnahme zunächst infrage gestellt, berichtet weekend.at. Öffentlich macht sie kein Geheimnis aus ihrer ADHS-Diagnose; als Leitlinie nennt sie laut Joyn den Grundsatz, aus Liebe zu handeln, nicht aus Angst. Dass sie überhaupt antrat, schreibt sie ihrem Ehemann zu, der sie zur Bewerbung gedrängt habe.
Im Finale lieferten die Wettbüro-Favoriten nicht, am Ende stand ein Sieg mit deutlichem Abstand. Moderator und Vorjahressieger Johannes Pietsch, der als JJ durch den Abend führte, sagte zur Gewinnerin laut ORF: „Ich gratuliere dir, Mädchen - sie gehört dir!“ Zweiter wurde zum zweiten Mal in Folge Israel mit Noam Bettan und „Michelle“, das mit rund 220 Punkten den stärksten Publikumswert des Abends holte; Dritter wurde Rumänien mit Alexandra Capitanescu. Deutschland landete mit Sarah Engels und „Fire“ auf Platz 23 von 26, ohne einen einzigen Punkt aus dem Televoting.
Haben wir heute Geschichte geschrieben, oder was?!
Für Bulgarien ist der Erfolg ein Einschnitt: Das Land hatte den Wettbewerb nach erfolglosen Jahren zwischenzeitlich ausgesetzt. Mit dem Sieg geht die Ausrichtung des ESC 2027 aller Voraussicht nach an einen bulgarischen Sender - erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs. Die Frau, die das möglich machte, war in ihrer Heimat nie ein unbeschriebenes Blatt. Bekannt ist sie jetzt auch dort, wo man bis Samstag noch fragte, wer Dara eigentlich ist.