ZDFneo hat am Samstagabend um 20.15 Uhr „Das Urteil - Jeder ist käuflich“ gezeigt, Gary Fleders 2003 gedrehte Verfilmung des John-Grisham-Romans „The Runaway Jury“. Die Ausstrahlung des Gerichtsthrillers auf dem Nischenkanal hat am Sonntag einen deutlichen Zugriffsanstieg auf den deutschen Wikipedia-Eintrag zum Film ausgelöst; das Lemma zählt zu den meistgeklickten Seiten der Wikipedia-Trends dieses Wochenendes.

Die Handlung folgt einer Sammelklage in New Orleans: Nach einem Amoklauf mit mehreren Toten verklagt die Witwe Celeste Wood den Waffenhersteller Vicksburg Firearms auf Schadensersatz. Der von den Anwälten der Verteidigung engagierte Jury-Consultant Rankin Fitch, gespielt von Gene Hackman, versucht die Geschworenen mit Dossiers und Erpressung zu manipulieren. Der Geschworene Nicholas Easter (John Cusack) und seine Partnerin Marlee (Rachel Weisz) machen beide Seiten mit einem Angebot bekannt: das Urteil für zehn Millionen Dollar. Klägeranwalt Wendell Rohr (Dustin Hoffman) muss entscheiden, ob er sich auf den Handel einlässt.

Für Grisham-Leser ist die Verfilmung eine Kuriosität. Im 1996 erschienenen Roman richtet sich die Klage gegen einen Tabakkonzern; Drehbuchautor Brian Koppelman und Regisseur Fleder verlegten den Prozess auf die Waffenindustrie, um sich von Michael Manns Enthüllungsdrama „The Insider“ von 1999 abzugrenzen. Die deutschsprachige Wikipedia hält als kritische Einschätzung ein Zitat aus dem Lexikon des internationalen Films fest, wonach der Film „mit populistischen Kinomitteln eine dezidiert liberale politische Botschaft“ vermittle und von „überzeugenden Darstellern getragen“ werde.

Der einzige gemeinsame Film zweier Freunde

Der eigentliche Reiz der Besetzung liegt jenseits der Handlung. Hackman und Hoffman kannten sich seit den späten 1950er Jahren aus dem Schauspielunterricht am Pasadena Playhouse und teilten sich zusammen mit Robert Duvall in New York zeitweise eine Ein-Zimmer-Wohnung. In über 40 gemeinsamen Berufsjahren standen die beiden Oscar-Preisträger - Hackman für „French Connection“ (1971) und „Erbarmungslos“ (1992), Hoffman für „Kramer gegen Kramer“ (1979) und „Rain Man“ (1988) - nie zusammen vor der Kamera. „Das Urteil“ wurde ihr einziges gemeinsames Projekt: Ihre zentrale Konfrontationsszene, gedreht auf einer Herrentoilette, führte in der US-Fachpresse zu ausführlichen Würdigungen der schauspielerischen Chemie.

Die Ausstrahlung fällt in ein besonderes Jahr: Hackman starb am 18. Februar 2025 im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Santa Fe an einer Herzerkrankung, wie das Sheriff-Büro von Santa Fe County damals mitteilte. Als weitere Ursache nannten die Behörden eine fortgeschrittene Alzheimer-Erkrankung. Der Schauspieler hatte sich bereits nach seiner letzten Kinoproduktion „Willkommen in Mooseport“ von 2004 aus dem Filmgeschäft zurückgezogen; „Das Urteil“ war damit einer seiner letzten großen Auftritte in einer Hollywood-Produktion.

Der Film spielte 2003 weltweit rund 80,2 Millionen US-Dollar bei einem Produktionsbudget von etwa 60 Millionen ein und wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. „Das Urteil“ ist parallel zur ZDFneo-Ausstrahlung weiterhin bei Amazon Prime Video im Abonnement verfügbar.