Kabel Eins hat am Dienstagabend „Das Wunder von Bern“ wiederholt - und damit knapp zwei Tage vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ein ordentliches Ergebnis eingefahren. Sönke Wortmanns Film aus dem Jahr 2003 sahen ab 20:15 Uhr im Schnitt 0,80 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, der Marktanteil lag bei 4,3 Prozent. In der für den Sender entscheidenden Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kam der Klassiker auf 6,9 Prozent - ein für Kabel Eins solider Wert, wie Quotenmeter im Primetime-Check festhielt.
Den Abend dominierten dennoch die Großen: Das Erste lag mit der Krimireihe „Die Kanzlei“ bei 3,18 Millionen Sehern, RTL beendete „Bauer sucht Frau International“ mit 2,73 Millionen und einem Staffelrekord. „Das Wunder von Bern“ lief gegen diese Konkurrenz als nostalgische Alternative für Fußballfans, die das Eröffnungsspiel der WM am Donnerstag im Aztekenstadion einstimmen sollte. Im Anschluss zeigte Kabel Eins die Politkomödie „Er ist wieder da“, die im Spätprogramm noch 0,19 Millionen erreichte.
Eine Familiengeschichte mit echtem Vater-Sohn-Paar
Wortmann verband 2003 die unwahrscheinliche WM-Geschichte von Bern mit dem Schicksal der Essener Bergmannsfamilie Lubanski. Peter Lohmeyer spielt den heimgekehrten Kriegsgefangenen Richard Lubanski, sein leiblicher Sohn Louis Klamroth übernahm die Rolle des elfjährigen Matthias, der Ballkind von Helmut Rahn ist. Das Drehbuch schrieb Wortmann gemeinsam mit Rochus Hahn. Originalaufnahmen aus dem Wankdorfstadion sowie die Radiokommentare von Herbert Zimmermann verschmelzen mit den Spielszenen der nachgestellten Partie gegen Ungarn - das 3:2 vom 4. Juli 1954, das in der Bundesrepublik bis heute mythisch aufgeladen ist.
Der Film war 2003 mit über 3,7 Millionen Kinobesuchern einer der größten deutschen Erfolge des Jahres und wurde mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Die Wiederholung am Dienstag war auf Kabel Eins schon mehrfach gelaufen, parallel ist der Streifen über Joyn abrufbar. Wortmann selbst, inzwischen 66 und zuletzt mit dem Doku-Spielfilm „Heinrich der Säger“ im Gespräch, hat den Film in Interviews wiederholt als „mein persönlichstes Projekt“ bezeichnet.
Das Timing ist kein Zufall
Der Programmplatz wenige Tage vor dem WM-Start ist offenkundig gewählt. Während Julian Nagelsmanns Mannschaft in Winston-Salem ihr Quartier bezogen hat und am Freitag in Atlanta gegen Mexiko ins Turnier startet, liefert Kabel Eins das mythische Vorprogramm aus der Nachkriegsgeschichte. Die Zielgruppen-Quote von 6,9 Prozent zeigt, dass die Rechnung aufging - der WM-Bezug schlägt sich offenbar auch im Senderwettbewerb nieder. Eine Wiederholung in der Nacht auf Donnerstag um 3:25 Uhr soll Nachzügler bedienen. Spätestens am Donnerstagabend übernimmt dann die Originalware: das Auftaktspiel zwischen Mexiko und Südafrika im Aztekenstadion.