David Hockney ist tot. Der britische Maler, einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart, starb am Freitag im Alter von 88 Jahren friedlich in seinem Haus, wie sein Sprecher der Nachrichtenagentur PA mitteilte. Hockney wäre am 9. Juli 89 Jahre alt geworden. Eine Todesursache nannten die Angehörigen nicht.

„David Hockneys bleibendes Vermächtnis spiegelt seine grundlegende Lebensfreude, seinen herausragenden Sinn für Humor, seine immense Großzügigkeit und seine forschende Neugierde wider“, erklärte sein Sprecher in der Mitteilung, die zunächst PA verbreitete. Die Reaktionen aus der Kunstwelt liefen am Wochenende weltweit ein, von Tate-Direktoren in London über Galeristen in New York bis zu Sammlern in Asien.

Geboren wurde Hockney 1937 in Bradford im Norden Englands. Nach dem Studium am Royal College of Art in London zog es ihn 1964 nach Kalifornien. In Los Angeles fand er das Motiv, das ihn weltberühmt machen sollte: den Swimmingpool. Sein 1967 in Berkeley entstandenes Gemälde „A Bigger Splash“ wurde zur Ikone der sonnendurchfluteten, kühl konturierten Westküsten-Moderne. Die Tate Britain hängt es bis heute prominent in ihrer Pop-Art-Sammlung.

Ich sage immer, im Studio fühle ich mich nicht alt, ich fühle mich wie 30.
- David Hockney, 2018 zur Nachrichtenagentur PA

1972 folgte „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“, ein knapp drei mal zwei Meter großes Bild zweier Männer am Pool. Im November 2018 wurde es bei Christie's in New York für 90,3 Millionen Dollar versteigert. Es war zu diesem Zeitpunkt der höchste Auktionspreis, der je für das Werk eines lebenden Künstlers gezahlt wurde. Hockney selbst blieb von solchen Zahlen unbeeindruckt: „Ich will ein Bild machen, das für viele Menschen etwas bedeutet“, sagte er der PA. „Die Idee, Bilder für 25 Leute in der Kunstwelt zu machen, ist verrückt und lächerlich.“

Vom iPad bis zur Wiener Staatsoper

Hockney experimentierte über sechs Jahrzehnte mit fast jedem Medium, das ihm zur Verfügung stand. Er fotografierte Polaroid-Collagen, malte monumentale Landschaften der Yorkshire Wolds und zeichnete ab 2010 mit dem Finger auf dem iPad. Für die Wiener Staatsoper entwarf er 2012 den Eisernen Vorhang der Saison 2012/13, ebenfalls auf dem Tablet. Ein Schlaganfall 2012 zwang ihn zu monatelanger Reha, hielt ihn aber nicht vom Malen ab. 2022 widmete ihm das Wiener Kunstforum eine Retrospektive mit 125 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten.

Zuletzt lebte Hockney in London und der Normandie. Im Frühjahr hatten die Serpentine Galleries angekündigt, ihm im Herbst 2026 eine große Schau zu widmen, wie das Magazin Time Out berichtete. Ob die Ausstellung wie geplant eröffnet, ließen die Galerien am Freitag offen.

Hockney lebte offen homosexuell zu einer Zeit, als Homosexualität in Großbritannien noch strafbar war. Der Guardian nannte ihn den „Matisse der Pop-Art“, auch wenn Hockney selbst die Etikettierung stets abgelehnt hatte. Sein Werk, schrieb der Kunstkritiker Jonathan Jones am Freitagabend im Guardian, habe „den Glauben an die Malerei am Leben gehalten, als alle anderen ihn schon abgeschrieben hatten“.