Die deutschen Basketballerinnen stehen erstmals in ihrer Verbandsgeschichte im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Vor 10.537 Zuschauern in der Berliner Uber Arena setzte sich das Team von Bundestrainer Olaf Lange am Donnerstagabend gegen Europameister Belgien mit 93:74 (42:35) durch. Am Samstag um 16:30 Uhr trifft die Auswahl im Halbfinale auf Frankreich, das seinerseits China mit 90:61 aus dem Turnier warf.
Belgien, im Vorfeld als Favorit gehandelt, geriet früh unter Druck. Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel (22:19) zog Deutschland im zweiten Durchgang auf bis zu 13 Punkte davon, drehte im dritten Abschnitt endgültig auf (32:24) und ging mit einem Vorsprung von 15 Zählern in das Schlussviertel. Sechs deutsche Spielerinnen trafen zweistellig, 28 Punkte kamen von der Bank, wie die Sportschau meldet. „Belgien wirkte sichtlich überrascht“, schreibt t-online in seinem Spielbericht.
Top-Scorerin des Abends war Leonie Fiebich mit 17 Punkten. Die 25-jährige Meisterin der WNBA, die im Sommer mit den New York Liberty in der US-Liga aufläuft, hatte im Turnier zuvor vor allem als Spielmacherin und Verteidigerin agiert. Gegen Belgien traf sie in der entscheidenden zweiten Halbzeit mehrere Dreier. Nyara Sabally wurde mit 16 Punkten und 12 Rebounds zur Spielerin des Spiels gewählt. Auf belgischer Seite hielt Star-Center Emma Meesseman mit 29 Punkten dagegen, blieb aber ohne ausreichende Unterstützung.
Brutal surreal. Ich weiß nicht, wie man sich fühlen soll, wenn man so etwas geschafft hat. Wir sind auf dem Weg nach oben. Mit uns ist nicht zu spaßen.
Eine Halle wie ein Endspiel
Die Uber Arena war schwarz-rot-gold ausgeleuchtet, in der ersten Reihe verfolgte Basketball-Ikone Dirk Nowitzki das Spiel, wie t-online berichtet. Die Stimmung sei „beispiellos für den deutschen Frauenbasketball“ gewesen, urteilt der Tagesspiegel. Für das Halbfinale gegen Frankreich am Samstag ist die Halle laut ZDF bereits ausverkauft. Frankreich, Olympiazweiter von Paris 2024, gilt als einer der drei Titelfavoriten des Turniers.
Bundestrainer Olaf Lange, der 2022 als Assistent Australien zu WM-Bronze geführt hatte, ordnete den Abend im ZDF ein: „Das war ein unglaubliches Erlebnis. Wir hören nicht auf.“ Nyara Sabally formulierte es der Sportschau gegenüber knapper: „The sky is the limit.“ Ihre Teamkollegin Frieda Bühner sagte im Tagesspiegel: „Ich weiß noch nicht mal, ob ich das schon glauben kann. Wir sind unter den vier besten Teams der Welt, das ist verrückt.“
Erste Medaillenchance seit fast drei Jahrzehnten
Für den Deutschen Basketball Bund ist der Halbfinaleinzug der größte Erfolg im Frauenbereich überhaupt. Die letzte internationale Medaille datiert aus dem Jahr 1997, als das DBB-Team bei der Europameisterschaft Bronze holte. Bei einer Weltmeisterschaft stand Deutschland zuvor nie unter den letzten acht, wie t-online anmerkt. Noch vor wenigen Jahren galt das Programm international als zweitklassig, das Turnier in Berlin war entsprechend als Standortbestimmung geplant, nicht als Medaillenkandidatur.
Verliert Deutschland am Samstag gegen Frankreich, geht es am Sonntag um Bronze, gewinnt das Team, wartet im Finale der Sieger der Partie USA gegen Australien. Für die deutschen Herren wäre das eine bemerkenswerte Konstellation: Die Weltmeister von 2023 waren bei der EM im vergangenen Jahr im Viertelfinale gescheitert. Die Frauen können nun binnen zwei Tagen nachziehen, wo den Männern zuletzt der finale Schritt fehlte.