Luis de la Fuente hat am Samstag in New York eine Anekdote ausgepackt, die selbst im Umfeld der spanischen Nationalmannschaft nicht jeder kannte. Auf der offiziellen FIFA-Pressekonferenz einen Tag vor dem WM-Finale gegen Argentinien erzählte der 65-Jährige von seiner ersten Begegnung mit Lionel Messi - und lieferte damit unfreiwillig die Erklärung für seinen Matchplan am Sonntag.
Der 15. Mai 2004, Miniestadi, Barcelona: In der zweiten Runde der Copa del Rey der Jugendmannschaften standen sich der FC Barcelona und der FC Sevilla gegenüber. Auf der Bank der Andalusier saß de la Fuente, der damals die U19 der Nervionenser trainierte. Bis zur 70. Minute war das Spiel torlos, die Manndeckung auf Messi hielt. Dann sah der abgestellte Verteidiger die Gelbe Karte, de la Fuente wechselte ihn aus. „In 15 Minuten schoss er uns vier Tore“, zitierte ihn die spanische Zeitung El Desmarque nach seiner Rückblende auf dem Podium in Manhattan.
In 15 Minuten schoss er uns vier Tore.
Die Episode ist im spanischen Fußball halb-legendär und taucht in jeder Messi-Biografie auf. Neu ist, dass de la Fuente sie am Vorabend eines WM-Endspiels selbst noch einmal erzählt - und daran seinen Plan gegen den Argentinier festmacht. Auf die Frage nach einem Manndecker für Messi antwortete er nach Angaben der Sportschau, das schließe er „aus leidvoller Erfahrung“ ausdrücklich aus. Stattdessen gelte es, „aufmerksam zu sein und ihn genau im Auge zu behalten“.
Rodri und Fabián Ruiz statt Bewacher
Spaniens taktisches Rezept für das MetLife Stadium bleibt damit das, mit dem die Selección im Turnier bislang jeden Gegner in Ballbesitzphasen erstickt hat. Die Doppelsechs Rodri und Fabián Ruiz sichert im Zentrum ab, der jeweils ballnahe Block bindet Messi in Zonen und nicht in Personen. Rodri hatte am Freitag bei einer Medienrunde am Fanatics Fest im Javits Center bereits skizziert, worauf es aus seiner Sicht ankomme: Messi vom Strafraum fernhalten und in eigenen Verteidigungsmomenten enger an ihm dran sein, ohne kollektiv zu tief zu stehen.
Für die Aufstellung selbst gab de la Fuente in New York Entwarnung. Lamine Yamal, der sich im Halbfinale gegen Frankreich einen schmerzhaften Schlag auf den Oberschenkel geholt hatte, sei fit; auch Rechtsverteidiger Pedro Porro, der zuletzt mit muskulärer Erschöpfung ausgesetzt hatte, stehe zur Verfügung. Die offizielle Startaufstellung nennt die FIFA wie üblich rund eine Stunde vor Anpfiff, also am Sonntag gegen 20 Uhr deutscher Zeit.
Ein Trainer, dem die Bühne fremd bleibt
De la Fuente, seit Dezember 2022 Cheftrainer der Selección und Europameister von 2024, gilt als betont uneitler Coach. Dass er sich einen Tag vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere aus dem Karriereanfang bedient, um eine Frage zu beantworten, passt zu diesem Bild. Bei El Universal fügte er hinzu, er habe damals verstanden, dass gegen manche Spieler kein Verteidiger der Welt reiche - nur ein System.
Am Sonntag um 21 Uhr MESZ läuft dieses System zum ersten Mal in einem WM-Finale gegen den Mann auf, der es vor 22 Jahren im Miniestadi als Sechzehnjähriger zerlegt hat. ZDF und MagentaTV übertragen live.