Im Debian-Projekt endete am Freitag eine der grundsätzlichsten Abstimmungen seiner Geschichte: Die Entwicklerinnen und Entwickler der Linux-Distribution entschieden, dass Code, Dokumentation und Übersetzungen mit Hilfe generativer KI grundsätzlich zulässig sind. Als Siegervorschlag setzte sich unter acht Alternativen die Formel „Responsible Use of Generative AI“ des Entwicklers Marc Haber durch.

Damit positioniert sich Debian offiziell weder als KI-Befürworter noch als KI-Gegner. Die Resolution stellt klar, dass der Einsatz generativer Werkzeuge keinen besonderen Regeln jenseits der ohnehin geltenden Debian-Standards unterliegt. Die Verantwortung für technische Qualität, rechtliche Zulässigkeit und Eignung eines Beitrags trägt weiterhin die Person, die ihn einreicht - wie das US-Fachportal Phoronix aus dem Beschluss zitiert, mindert der Einsatz eines KI-Werkzeugs die Verantwortung des Beitragenden nicht.

Die Abstimmung lief seit dem 15. August. Nach dem in Debian üblichen Condorcet-Verfahren war Habers Vorschlag die einzige Option im sogenannten Schwartz-Set, schlug also alle anderen im direkten Vergleich. Die Margen lagen laut dem Fachportal Linuxiac unter anderem bei 232 zu 115 und 251 zu 139 Stimmen. Etwas mehr als 350 der über 1.000 stimmberechtigten Debian Developer nahmen laut The Register teil.

Acht Vorschläge zwischen Totalverbot und laissez-faire

Auf dem Stimmzettel standen laut der offiziellen Vote-Seite des Projekts acht Vorschläge. Am restriktivsten war Vorschlag A des Entwicklers Matthias Geiger, der KI-Beiträge per Änderung des Debian-Sozialvertrags ausdrücklich untersagen wollte und dafür eine Dreiviertelmehrheit gebraucht hätte. Ian Jackson, Autor des Paketmanagers dpkg und laut The Register eine der „Debian-Größen“, warb mit Vorschlag C dafür, LLM-Nutzung „so weit wie praktikabel“ zu vermeiden. Am anderen Ende des Spektrums stand Vorschlag H von Holger Levsen: Verzicht aus Klimagründen. Dazwischen lagen mehrere Optionen, die KI-Beiträge unter Auflagen wie Offenlegungspflicht erlauben wollten.

Debian schlägt damit einen anderen Kurs ein als Teile der BSD-Welt: Gentoo und NetBSD hatten 2024 KI-generierten Code komplett verboten, OpenBSD wählte einen urheberrechtlichen Umweg. Der Linux-Kernel selbst und Red Hat halten es dagegen ähnlich permissiv wie das Debian-Projekt nun. Der langjährige Debian-Entwickler Raphaël Hertzog stimmte nach eigener Darstellung in einem Blogbeitrag am Ende für die pragmatischeren Vorschläge - trotz erheblicher persönlicher Vorbehalte gegen die Technik.

Hätte ich einen Zauberstab, um KI und LLMs verschwinden zu lassen, würde ich ihn dafür einsetzen.
- Raphaël Hertzog, Blogbeitrag

Praktisch ändert die Resolution im Debian-Alltag zunächst wenig: Paketmaintainer dürfen KI-Werkzeuge einsetzen, sind aber nicht verpflichtet, das offenzulegen. Einzelne Teams können für ihren Zuständigkeitsbereich weiterhin strengere Regeln erlassen. Die Debatte über die rechtliche Einordnung KI-generierten Codes bleibt allerdings offen. Debian erklärt in der Resolution ausdrücklich, diese ungeklärten Fragen nicht durch eine General Resolution beantworten zu wollen.