Es war das letzte Turnierspiel, das Didier Deschamps auf der Bank der französischen Nationalmannschaft gewinnen wollte. Es wurde eine Niederlage. Nach dem 0:2 im WM-Halbfinale am Dienstagabend in Arlington gegen Spanien steht fest, dass die 14-jährige Amtszeit des 57-Jährigen mit dem Spiel um Platz drei am Samstag in Miami zu Ende geht. Deschamps hatte seinen Rückzug bereits vor dem Turnier angekündigt, wie t-online mit Verweis auf Le Parisien berichtet.
In der Analyse seines Auftritts blieb Deschamps auffällig knapp. „Die Spieler sind am Boden. Wir waren sehr positiv gestimmt, waren aber heute nicht gut genug gegen eine Mannschaft, die hervorragend gespielt hat“, sagte er nach dem Abpfiff, wie 20 Minuten meldet. „Spanien hat heute gezeigt, dass sie auf einem anderen Niveau spielen.“ Zugleich zielte er auf die Schiedsrichterleistung: „Ich habe eine Frage, aber keine Antwort: Hatte er die Klasse für ein WM-Halbfinale?“ Mikel Oyarzabal hatte per Elfmeter getroffen, Pedro Porro machte den Deckel drauf.
Ich habe eine Frage, aber keine Antwort: Hatte er die Klasse für ein WM-Halbfinale?
Deschamps hinterlässt eine Bilanz, die in Frankreich niemand in Frage stellt. Der Weltmeistertitel 2018 in Russland, das Endspiel 2022 in Katar, dazwischen der EM-Finaleinzug 2016 im eigenen Land und der Sieg in der Nations League 2020/21. Nur Aimé Jacquet stand vor ihm als Weltmeister-Trainer an der Seitenlinie. Sein Vertrag lief planmäßig aus, den Rücktritt hatte er bereits Anfang 2025 kommuniziert - lange bevor die Auslosung für die WM in Nordamerika klar war.
Zidane wartet in den Startlöchern
Als Nachfolger gilt Zinédine Zidane als gesetzt. Verbandspräsident Philippe Diallo hatte im Frühjahr in einem Le-Figaro-Interview auf die Frage, ob er den Namen kenne, geantwortet: „Ja, ich kenne seinen Namen.“ Er wolle ihn nur nicht vor dem Turnier aussprechen. Le Parisien und L'Équipe melden übereinstimmend, dass Zidane bereits mündlich zugesagt und mit dem Aufbau seines Trainerstabs begonnen habe. Die formale Unterschrift soll unmittelbar nach der WM folgen.
Zidane wäre der erste Cheftrainer der Équipe Tricolore, der zuvor mit dem Verein selbst dreimal die Champions League gewonnen hat. Seit seinem Abschied von Real Madrid im Sommer 2021 hatte er mehrfach Angebote ausgeschlagen, zuletzt aus der Premier League. In einem Interview, das t-online zitiert, beschrieb er das Amt als „Traum“: „Ich fühle mich in der französischen Nationalmannschaft zu Hause, wo ich fast 12, 13 oder 14 Jahre als Spieler verbracht habe.“ Zum Einstand wartet im September die Gruppenphase der Nations League.
Für Deschamps bleibt am Samstag ein letzter Auftritt im Hard Rock Stadium in Miami, wenn das kleine Finale den Halbfinal-Verlierer aus dem Duell England gegen Argentinien zum Gegner bestimmt. Es ist ein Spiel, das für kaum jemanden im französischen Kader zählt - außer für ihren scheidenden Trainer, der eine Amtszeit ohne Bronzemedaille abschließen würde, was ihm laut Sportschau am Dienstag anzumerken war: „Das tut weh. Leider ist der Weg hier vorbei.“