Wenige Stunden vor seinem letzten Spiel an der Seitenlinie der Équipe Tricolore hat Didier Deschamps am Donnerstagabend in Manhattan mit hörbar bewegter Stimme über 14 Jahre als Frankreich-Trainer gesprochen. Am Samstag um 23:00 Uhr MESZ läuft der 57-Jährige im Hard Rock Stadium in Miami Gardens ein letztes Mal auf, wenn Frankreich im Spiel um Platz drei der Weltmeisterschaft auf England trifft. Es ist das kleine Finale eines Turniers, das für beide Teams anders enden sollte.
„Es ist das Schönste, was mir passiert ist. Es hat 25 Jahre meines Lebens eingenommen, und das prägt einen“, sagte Deschamps auf der Pressekonferenz in Manhattan, wie die Sportschau und heute.at übereinstimmend berichteten. Der Weltmeister-Trainer von 2018, der die Équipe seit 2012 verantwortet, wählte klare Worte für den Ausstieg: „Ich weiß, dass morgen der Vorhang fällt. Hier wird niemand weinen, aber die französische Nationalmannschaft wird mir fehlen.“ Sein Fazit fiel bewusst nicht bitter aus: „Ich hatte das Privileg, 14 Jahre lang magische, aber auch schwierige Momente zu erleben.“
Ich weiß, dass morgen der Vorhang fällt. Hier wird niemand weinen, aber die französische Nationalmannschaft wird mir fehlen.
Tuchel: „Keiner will dieses Match spielen“
Auf englischer Seite fällt der Ton deutlich distanzierter aus. Thomas Tuchel, seit 15 Monaten Nationaltrainer der Three Lions, hatte bereits nach dem 1:2 im Halbfinale gegen Argentinien deutlich gemacht, was er vom Spiel um Platz drei hält: „Keiner meiner Spieler und keiner der französischen Spieler möchte dieses Match spielen. Sie wollen das Finale spielen. Jeder spielt, um den Titel zu gewinnen, aber es ist, was es ist“, sagte Tuchel auf der Pressekonferenz nach dem Halbfinale, wie LAOLA1 dokumentierte. Der Deutsche steht in London nach dem Halbfinal-Aus intern in der Kritik; das kleine Finale wird von englischen Medien bereits als Fingerzeig für seine Zukunft gedeutet.
Deschamps ließ die Fragen nach Motivation nicht gelten. „Wenn man das Finale, das man wollte, nicht erreicht, muss das wehtun“, zitierte ihn beIN Sports schon am Vorabend. Und weiter: „Es geht um Platz drei, also werden wir alles tun, um ihn zu holen.“ Auch die Frage nach seinem Nachfolger überließ er anderen. Mehrere französische Medien berichten übereinstimmend, dass Zinedine Zidane die Équipe nach der WM übernehmen wird - offiziell bestätigt ist die Personalie noch nicht.
Sportlich stehen beide Trainer vor einer Rotationsfrage. Deschamps dürfte im 4-2-3-1 antreten, mit Mike Maignan im Tor, Ibrahima Konaté und Malo Gusto in der Kette sowie Warren Zaïre-Emery und Kanté im Zentrum. Vorne führt Kylian Mbappé den Angriff an. Tuchel setzt laut fussballnationalmannschaft.net auf ein 4-3-3 mit Dean Henderson im Kasten, Marc Guéhi und John Stones in der Innenverteidigung sowie Harry Kane im Sturmzentrum. Kane, der im Rennen um den Goldenen Schuh noch Chancen hat, dürfte trotz Tuchels grundsätzlicher Skepsis spielen.
Die Bronzemedaille ist finanziell kein Nebengeschäft. Die FIFA schüttet nach ihrer Prämienstaffel 29 Millionen US-Dollar an den Dritten aus, der Vierte erhält 27 Millionen. Übertragen wird die Partie in Deutschland ausschließlich bei MagentaTV, im Free-TV ist sie nicht zu sehen. Am Sonntag folgt das Endspiel zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium; für Deschamps beginnt danach ein Leben ohne Blau-Weiß-Rot an der Seitenlinie - nach 14 Jahren, zwei Endspielen und einem WM-Titel.